Frankreich will Luftwaffe über Kampfjet-Deal mit Belgien verzahnen

Frankreich hat Belgien ein Angebot zur Erneuerung seiner Kampfflugzeugflotte mit französischen Rafale-Jets vorgelegt, das eine vertiefte Zusammenarbeit der beiden Luftwaffen umfassen soll. Es geht weit über einen Flugzeugverkauf hinaus.
08.09.2017 11:48

Auf die formelle Ausschreibung Belgiens für die Beschaffung von 34 Kampfflugzeugen für rund 3,5 Milliarden Euro hätten sich nur Lockheed Martin (mit seiner F-35) und das Eurofighter-Konsortium beworben, sagte der belgische Verteidigungsminister Steven Vandeput am Freitag laut der Nachrichtenagentur Belga. Daneben gebe es ein weiterreichendes französisches Angebot, das erst kurz vor Ausschreibungsende am Donnerstagabend vorgelegt worden sei.

Die von Paris vorgeschlagene Partnerschaft solle den operativen Bereich, Ausbildung und Unterstützung betreffen, hatte die französische Verteidigungsministerium Florence Parly am Donnerstag mitgeteilt. Ausserdem schlägt Frankreich eine industrielle und technische Kooperation von Unternehmen aus beiden Ländern vor. Die Rafale wird vom Konzern Dassault Aviation gefertigt.

"Wir müssen zunächst den juristischen Status dieses Vorschlags prüfen", sagte der belgische Verteidigungsminister zu der Frage, ob der französische Vorstoss im Rahmen der Ausschreibung berücksichtigt werden könne. Belgien will seine alternden F16-Flotte ersetzen; eine Entscheidung wird Mitte 2018 erwartet. Aus dem Bieterwettstreit hatten Boeing und Schweden (Gripen) sich bereits zurückgezogen.

Nach Informationen des französischen Verteidigungsjournalisten Jean-Dominique Merchet legt Frankreich sein weit reichendes Angebot vor, weil die offizielle Ausschreibung so gestaltet sei, dass sie die amerikanische F-35 bevorzuge. Er zitierte dazu in seinem Blog bei der Zeitung "L'Opinion" eine mit dem Vorgang vertraute Quelle. Dies wollte der belgische Verteidigungsminister nicht bestätigen. "Frankreich hat keine Gründe genannt", sagte er./sku/DP/oca

(AWP)