Frauenfelder 'Ndrangheta-Mann soll an Italien ausgeliefert werden

Bern (awp/sda) - Ein mutmassliches Mitglied der Frauenfelder Zelle der kalabresischen Mafia-Organisation 'Ndrangheta soll nach Italien ausgeliefert werden. Das Bundesamt für Justiz hat dafür grünes Licht gegeben. Es wäre die erste Auslieferung eines Mitglieds der Frauenfelder Zelle.
05.08.2016 16:50

Sämtliche Voraussetzungen für eine Auslieferung seien erfüllt, teilte das Bundesamt für Justiz (BJ) am Freitag mit. Der Italiener kann den Entscheid noch innert 30 Tage beim Bundesstrafgericht anfechten.

Er soll seit Jahren Mitglied der 'Ndrangheta sein und in der Frauenfelder Zelle "besondere Aufgaben" wahrgenommen haben, wie das Bundesamt für Justiz schreibt. Er soll an Treffen teilgenommen und die typischen Riten, Strukturen und Hierarchien der 'Ndrangheta akzeptiert haben.

Der Mann war im März zusammen mit zwölf anderen mutmasslichen Mitgliedern der Frauenfelder Zelle festgenommen worden. Über deren Auslieferung will das Bundesamt für Justiz in den kommenden Wochen entscheiden. Jeder Fall werde einzeln geprüft, hiess es.

JAHRELANGE ERMITTLUNGEN

Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit Jahren gegen die sogenannte Frauenfelder Zelle. Überwachungen hätten bestätigt, dass im Raum Frauenfeld eine operative Zelle der 'Ndrangheta existiere, die vom Führungsorgan in Kalabrien abhängig sei, schreibt das Bundesamt für Justiz. Die 'Ndrangheta gelte in der Schweiz gemäss Rechtsprechung als kriminelle Organisation.

Da die Mitgliedschaft in einer solchen Organisation auch in der Schweiz strafbar ist, ist eine Voraussetzung für eine Auslieferung erfüllt. Wer sich an einer kriminellen Organisation beteiligt, riskiert in der Schweiz eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

Als Beteiligte gelten alle Personen, die in die kriminelle Organisation eingliedert sind und im Hinblick auf deren verbrecherischen Zweck Aktivitäten vornehmen, wie das Bundesamt für Justiz schreibt. Dabei spiele es keine Rolle, ob die kriminelle Organisation ausschliesslich im Ausland Verbrechen begehe.

ZWEI PERSONEN AUSGELIEFERT

Bereits an Italien ausgeliefert hat die Schweiz zwei 'Ndrangheta-Männer, die Anfang März im Kanton Wallis festgenommen worden waren. Sie waren in Italien wegen Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation in Abwesenheit verurteilt worden.

Einer der beiden Männer hatte sich zunächst gegen die Auslieferung gewehrt. Inzwischen zog er seine beim Bundesstrafgericht eingereichte Beschwerde jedoch zurück. Er wurde am (heutigen) Freitag den italienischen Behörden übergeben, wie das Bundesamt für Justiz schreibt. Der zweite 'Ndrangheta-Mann war bereits im Juni nach Italien ausgeliefert worden.

(AWP)