FreihandelFür Mexiko steht bei Nafta viel auf dem Spiel

Die Karten für die Handelsbeziehungen in Nordamerika werden neu gemischt. Die Nafta-Freihandelszone zwischen USA, Kanada und Mexiko steht auf der Kippe. Ein Überblick.
29.01.2017 13:23
Autofahrer warten am Grenzübetrtritt Mexiko-USA in Tijuana auf die Abfertigung.
Autofahrer warten am Grenzübetrtritt Mexiko-USA in Tijuana auf die Abfertigung.
Bild: Bloomberg

Seit fast einem Vierteljahrhundert sind die USA mit Mexiko und Kanada über die Nafta-Freihandelszone miteinander verbunden. Doch der neue US-Präsident Donald Trump hält das Abkommen von 1994 für schädlich für sein Land und will es nachverhandeln.

Falls diese Gespräche wiederum zu Mexikos Nachteil ausfallen sollten, will das Schwellenland aussteigen. Für Zündstoff sorgt auch das Vorhaben Trumps, eine Mauer an der Grenze zum südlichen Nachbarn hochzuziehen. Für Mexiko steht viel auf dem Spiel, falls das North American Free Trade Agreement (Nafta) eines Tages Geschichte sein sollte. Ein Überblick:

NAFTA - GARANT DER MODERNISIERUNG

Das Abkommen war von "zentraler Bedeutung für die Modernisierung der mexikanischen Volkswirtschaft in den letzten beiden Jahrzehnten", wie das Auswärtige Amt in Berlin betont. Der Modernisierungsschub habe zugleich die ökonomische Liberalisierung eingeleitet. Die Kehrseite der Medaille ist die enge wirtschaftliche Verflechtung mit dem großen Nachbarn im Norden, die das Land bei einem Nafta-Aus schmerzhaft zu spüren bekäme: Mehr als 80 Prozent der Ausfuhren und knapp die Hälfte der Importe werden mit den USA abgewickelt.

ARMUT NIMMT AB

Die Zugehörigkeit zur Nafta hat sich in einem zunehmenden Wohlstand der Bevölkerung bemerkbar gemacht: Gegenüber 1990 hat der Anteil der Menschen, die über weniger als 1,25 Dollar am Tag verfügen, um mehr als die Hälfte abgenommen. 2014 waren nach dieser Definition nur noch 3,7 Prozent der Mexikaner von extremer Armut betroffen. Doch auch hier gibt es neben Licht auch Schatten: "Weiterhin prägend sind eine hohe Ungleichheit in der Einkommensverteilung und der mangelnde Zugang zu Basisdienstleistungen insbesondere im ländlichen Raum", so das Auswärtige Amt. Dabei drängten jährlich rund eine Million Jugendliche in dem 125-Millionen-Einwohner-Land auf den Arbeitsmarkt. Ein Nafta-Aus würde ihre Jobperspektiven wohl deutlich eintrüben.

ZANKAPFEL AUTOINDUSTRIE

Trump macht die in Mexiko eröffneten Fabriken von US-Unternehmen für den Niedergang heimischer Industriebranchen mitverantwortlich und will Jobs in die USA zurückholen. Dies wäre für den Norden des lateinamerikanischen Landes verheerend, wo wegen der niedrigen Lohnkosten eine Art verlängerte Werkbank der US-Industrie entstanden ist. Falls Trump seine Drohung wahr macht, Importzölle in Höhe von bis zu 35 Prozent auf in Mexiko gefertigte Autos zu erheben, würden vielerorts die Lichter ausgehen - und Lieferketten zerrissen.

Die drei großen US-Konzerne General Motors, Ford und Fiat Chrysler haben in der Zeit rund um Trumps Amtsantritt die Schaffung neuer Arbeitsplätze und Investitionen in den USA angekündigt. Zuletzt hatte der US-Präsident auch die deutschen Hersteller ins Visier genommen.. BMW will dennoch an den Plänen für ein neues Werk in Mexiko festhalten. Auch Volkswagen verfügt über eine Fabrik in den USA, die wesentliche Teile der Fahrzeuge vom VW-Werk im mexikanischen Puebla bezieht.

(Reuters)