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Frühlingserwachen der US-Grossaktionäre

Zum ersten Mal haben sich Aktionäre eines Schweizer Grossunternehmens gegen die hohen Löhne der Top-Manager ausgesprochen. Damit nehmen mächtige Investoren endlich ihre Pflichten ernst.
11.04.2013 00:55
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: cash

Der Entscheid ist überdeutlich: Gegen zwei Drittel der Julius-Bär-Aktionäre stimmten am Mittwoch an der Generalversammlung der Privatbank gegen den Vergütungsbericht. Damit haben in der Schweiz erstmals Aktionäre eines grossen Unternehmens gegen Bezüge der Top-Manager gestimmt - und dem Vermögensverwalter Julius Bär eine Peinlichkeit sondergleichen beschert.

Überraschend kommt das Verdikt der Bär-Aktionäre nicht. Bereits im letzten Jahr hatte ich an dieser Stelle den Banken einen rauen Aktionärsfrühling 2013 prophezeit. Schon 2012 hatten Investoren in hoher Zahl gegen die Vergütungsprogramme der Schweizer Banken gestimmt. Und nun nehmen endlich auch internationale Grossinvestoren vor allem aus den USA ihre Aktionärsrechte ernst.

Sie waren es, die am Mittwoch den Ausschlag gaben für die Ablehnung der hohen Bär-Manager-Gehälter. Und sie sind es, welche die Mehrheit der Schweizer Grossunternehmen beherrschen und nun aus ihrer Lethargie erwachen. Die Grossaktionäre fordern in einem von Nervosität und Unsicherheit geprägten Umfeld mit steigender Ungeduld eine "No-Frills"-Kultur bei den Unternehmen, deren gewichtige Miteigentümer sie sind. Ohne ihre Unterstützung konnten Schweizer "Shareholder Activists" und Vorkämpfer wie Ethos bislang bloss Achtungserfolge feiern.

Dass ausgerechnet der Vergütungsbericht von Julius Bär abgeschmettert wurde und damit eine Schweizer Feuertaufe erlebte, ist kein Zufall. Der Unmut der Investoren richtet sich dabei primär nicht mal gegen die Höhe der Vergütung der Bär-Top-Manager. Immerhin verdient CEO Boris Collardi gleichviel wie ein Schweizer Grossbanken-CEO.

Nein, es ist die (gewollte) Komplexität und damit fehlende Transparenz in den Vergütungssystemen. In dieser Hinsicht steht Julius Bär schon seit Jahren auf der Watchlist der Verfechter einer Corporate Governance, welche diesen Namen verdient.

Fehlende Transparenz bei Manager-Boni, das passt nicht mehr in unsere Zeit. Unternehmen, die das nicht wahrhaben wollen, werden ihre blauen Aktionärswunder erleben. Vor einigen Wochen konnte ich ein Interview führen mit dem bekannten finnischen Zukunftsforscher Prof. Markku Wilenius. Er sagte auf meine Frage nach den Gründen und der Bedeutung der Boni-Debatte in Europa:

"Die Leute wollen schlicht und einfach mehr Transparenz. Wir werden in Zukunft keine Grüppchen am Rande mehr haben können, welche über die breite Masse entscheidet und welche sich Vermögenswerte zuschanzt. Immer mehr Leute verfügen über eine gute Ausbildung. Wir haben zu akzeptieren, dass die Leute dank dieser Entwicklung sich der Ungerechtigkeiten, die in unserem System eingebaut sind, immer bewusster werden."