Für Raiffeisen-Chef sind Kriterien für Hypotheken zu streng

Die Kriterien für die Vergabe von Hypotheken sollten nach Ansicht von Raiffeisen-Chef Patrik Gisel angesichts der niedrigen Zinsen gelockert werden.
04.09.2016 11:52
Raiffeisen-CEO Patrik Gisel in einem früheren cash-Interview.
Raiffeisen-CEO Patrik Gisel in einem früheren cash-Interview.
Bild: cash

Die heutigen Richtlinien seien "übervorsichtig" und diskriminierten Jungen. Der Chef der drittgrössten Schweizer Bankengruppe kritisiert die Benachteiligung junger Familien beim Wohneigentum. "Eine junge Familie hat keine Chance auf eine Hypothek. Die Tragbarkeitskriterien sind viel zu streng", stellte Gisel in Interviews mit der "SonntagsZeitung" (SoZ) und der "Schweiz am Sonntag" fest.

Die Richtlinien zur Vergabe von Hypotheken seien übervorsichtig. Gisel hält es für sinnvoll, dass Hypothekarkunden mit beschränkten Barmitteln zu einem Spar- und Amortisationsplan über 15 Jahre mit einem fest verzinsten Kredit verpflichtet würden. Die Eigenmittel könnten diese über mehrere Jahre verteilt einbringen. Der Zins zur Berechnung der Tragbarkeit könnte dadurch deutlich auf rund 3% gesenkt werden.

200 Filialen weniger

Weiter rückläufig wird sich nach Ansicht von Gisel die Anzahl der Raiffeisen-Geschäftsstellen entwickeln. "Wir haben heute rund 980 Geschäftsstellen. In den letzten zehn Jahren haben wir bereits 300 geschlossen. In den nächsten fünf bis zehn Jahren werden wir nochmals etwa 200 Geschäftsstellen aufgeben."

Als Gründe für den Abbau nennt Gisel in der SonntagsZeitung zum einen die drastischen Verschärfungen der regulatorischen Anforderungen durch die Aufsichtsbehörden. Zum andern führe die zunehmende Digitalisierung dazu, dass weniger Kunden in die Filialen kommen, sondern ihre Bankgeschäfte von zu Hause aus tätigen.

Keine Negativzinsen für Sparer

Keine Sorgen müssen sich die Raiffeisen-Sparkunden über Negativzinsen machen: "Raiffeisen wird die letzte Bank sein, die auf Sparkonten Negativzinsen verlangt". Das würden die Kunden nicht verstehen. Er selber verstehe das Konzept der Negativzinsen auch nicht und bezweifle deren Wirkung, so Gisel weiter. Die Nationalbanken sollten sich deshalb überlegen, wie sie von dieser Politik wegkommen, fordert der Raiffeisen-Chef.

Bezüglich der zu Raiffeisen gehörenden Privatbank Notenstein La Roche wiederholte Gisel gegenüber der SoZ frühere Aussagen, wonach ein Verkauf kein Thema ist. "Wir wollen mit Notenstein von heute 20 Mrd auf rund 40 Mrd verwaltete Vermögen wachsen". Dafür seien auch Akquisitionen nötig, erklärte Gisel.

Noch nicht erfüllt habe das Institut bislang jedoch seine Anforderung, auch aus eigener Kraft Marktanteile zu gewinnen. "Über Zukäufe kann jeder wachsen, der genügend Geld hat", so der Raiffeisen-Chef.

(AWP)