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Gefragte Netflix-AktieWie lange dauert die Anleger-Romanze noch?

Die Online-Videothek Netflix sorgt bei Aktionären für Freudentränen. Doch die zukünftige Entwicklung der Technologie-Firma dürfte alles andere als ruhig ablaufen.
30.01.2017 19:00
Von Ivo Ruch
Reed Hastings ist Gründer und CEO von Netflix
Reed Hastings ist Gründer und CEO von Netflix
Bild: Bloomberg

Netflix hat in Hollywoods Traumfabrik eine neue Nische gefunden: Serien und Spielfilme werden über das Internet verbreitet und sind jederzeit überall werbefrei konsumierbar. Dieses Streaming-Angebot ist bei Kunden beliebt, wie die letzten Unternehmensresultate vom 19. Januar zeigen. Im vierten Quartal 2016 legten die Abo-Zahlen um sieben Millionen auf mittlerweile rund 94 Millionen zu.

Der Umsatz wuchs im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent auf 2,35 Milliarden Dollar. Der Gewinn stieg von 43 auf 67 Millionen Dollar. Mit diesen Zahlen übertraf Netflix sämtliche Erwartungen, worauf die Aktie auf ein neues Allzeithoch schoss. Derzeit notiert sie bei 142 Dollar – mehr als 50 Prozent höher als vor Jahresfrist.

Für viele Anleger ist die Netflix-Aktie bislang also ein Traum-Investment. Die Kurs-Fantasie wird weiter angeheizt von der Aussicht auf noch stärker wachsende Abonnentenzahlen und dem anhaltenden Trend zum zeit- und ortsungebundenen Videokonsum ("Video-on-Demand"). Netflix sieht sich selbst als Konkurrent des herkömmlichen Fernsehens.

China bleibt ein weisser Fleck

Für eine monatliche Abo-Gebühr können die Netflix-Kunden auf alle Inhalte zugreifen. Den grössten Teil der Einnahmen investiert Netflix wiederum in Eigenproduktionen, um den Nutzern exklusive Formate zu bieten. Serien wie "House of Cards" "Narcos" oder "The Crown" gelten als hochstehend und wurden bereits mehrfach ausgezeichnet.

Die amerikanische Online-Videothek ist seit einem Jahr fast überall auf der Welt mit Ausnahme Chinas verfügbar. Dort sind es regulatorische Hürden, die einen Markteintritt verhindern. Die Erschliessung des grössten asiatischen Marktes böte zwar ein riesiges Reservoir an potenziellen Neukunden. Doch momentan bestehen keine konkreten Bestrebungen, die Expansion nach China voranzutreiben.

Das Ziel ist also in erster Linie, in den bislang erschlossenen Ländern mit hochwertigen – teilweise auch lokalen – Produktionen die Kundenbasis zu erweitern. Die selbst erstellten Netflix-Inhalte sollen von aktuell 10 auf 50 Prozent des Gesamtportals steigen. Doch solche Eigenproduktionen sind teuer und bringen grössere finanzielle Risiken mit sich.

Mehr als ein Risiko für Anleger

Denn verteuern sich die Finanzierungsbedingen dereinst, zum Beispiel durch höhere Zinsen, ist fraglich, ob Netflix den hohen Produktionsrhythmus halten kann.

Wer jetzt noch Geld auf Netflix setzen möchte, sollte sich einiger Risiken bewusst sein. Da ist einerseits die hohe Volatilität der Aktie. Sie verbucht zwar immer wieder in kurzer Zeit hohe Kursgewinne, tendiert aber auch zu regelmässig zu einschneidenden Korrekturen wie der folgende Chart über die letzten fünf Jahre zeigt.

Steiler Aufstieg mit einigen Abstürzen: Die Netflix-Aktie in den letzten fünf Jahren (Quelle: cash.ch)

Hinzu kommt die zunehmende Konkurrenz, die ebenfalls in den Markt für Video-Streaming drängt. Grösster Gegenspieler ist der Online-Riese Amazon, der mit seinem Prime-Video-Service momentan schneller wächst als Netflix. Und aufgrund seiner Grösse eine breite Kundenbasis mitbringt. Aber auch Sony, Apple, Youtube oder Yahoo gehören zur ernst zu nehmenden Konkurrenz.

Value-Investoren dürften bei der Netflix-Aktie ohnehin zurückschrecken. Sie wird derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von nicht weniger als 320 bewertet. Das bedeutet mit anderen Worten: Anleger erwarten ein enormes Gewinnwachstum in den kommenden Jahren. Verpasst Netflix diese Erwartungen, dürfte der Aktienkurs "wie ein Kartenhaus zusammenfallen", so das Fazit eines Fondsmanagers.

Und schliesslich könnte auch Donald Trump noch seine Hände im Spiel haben. Wird sein Wirtschaftsprogramm plangemäss umgesetzt, versetzt es den Internetfirmen aus dem Silicon Valley einen Dämpfer. Dazu gehören die Begrenzung der Einwanderung oder die Repatriierung und Versteuerung hoher Bargeldbestände aus dem Ausland.