Geldpolitik - Bei nächster Rezession können Zentralbanken nicht helfen

Wenn sich die Wirtschaftsexpansion in den USA umkehrt und Schwellenländer stärker abrutschen, werden die Zentralbanken der Welt diesmal möglicherweise nicht helfen können. Ein Kommentar von Daniel Moss.
06.10.2018 14:35
Sind die USA zu einem immerwährenden Zyklus aus Krise, Panik und Wiederholung verurteilt?
Sind die USA zu einem immerwährenden Zyklus aus Krise, Panik und Wiederholung verurteilt?
Bild: cash

Natürlich muss die nächste Rezession nicht eine weitere "große Rezession" sein. Und ich gehe nicht davon aus, dass sie unmittelbar bevorsteht. Vorerst setzt die Federal Reserve die Zinsen weiterhin wie geplant hoch, und Europa kürzt die Stimuli, während Großbritannien und Kanada die Zinsen erhöhen. Abhängig von der Perspektive setzt Japan weiter auf lockere Geldpolitik oder verstecktes Zurückfahren derselbigen. Aber Abschwünge haben es so an sich, dass sie sich gerne an uns heranschleichen.

In den letzten Rezessionen haben die Regierungen die Zinsen gesenkt, um ihre Wirtschaft am Laufen zu halten, und sogar Anleihen gekauft, um das Wachstum anzuregen. Aber die Zentralbanken haben bei weitem nicht genug Munition, sollte es in nächster Zeit zu einem weiteren schweren Einbruch kommen.

Diejenigen, die Geldpolitik machen und beobachten, wussten grob, dass dies etwas ist, "worüber sie in der Zukunft nachdenken sollten". Das hat sich letzte Woche geändert. Plötzlich fühlt sich das Thema dringend an. Und das ist gut so.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat am 23. September einen Warnschuss abgefeuert, als Claudio Borio, der Chef der Währungs- und Wirtschaftsabteilung, sagte, dass das globale Bild wackelig sei und dass die Offiziellen möglicherweise nicht in der Lage sein würden, darauf zu reagieren. Im BIZ-Quartalsbericht wies Borio darauf hin, dass Marktkrisen eine Anfälligkeit für die Weltwirtschaft darstellten und sagte: "Es ist nur noch wenig in der Hausapotheke übrig".

Ein paar Tage später machten sich an der Columbia University in New York Zentralbank-Größen Sorgen über die Folgen, sollte es erneut zu einem Einbruch kommen. Wird es dann eine mit 2008 vergleichbare Reaktion von Seiten der politischen Entscheidungsträger geben?, fragte sich Bill Dudley, der gerade in den Ruhestand gegangene Präsident der New Yorker Fed.

Brian Sack, der unter Dudley die Marktabteilung leitete, wurde deutlicher: Das wichtigste Problem ist, dass die Zinsen nicht soweit gesenkt werden können, wie erforderlich wäre, um größere Schocks zu absorbieren. Die derzeitigen Möglichkeiten reichten nicht aus, und es bestehe die Gefahr unzureichender Maßnahmen, die sich über Jahrzehnte hinzögen und schleppenden Erholungen.

Sack, jetzt Chefökonom bei DE Shaw, erinnerte an die Projektionen, die er Anfang 2009 für den Fed-Offenmarktausschuss vorbereitet hatte. Berechnungen seiner Mitarbeiter legten nahe, dass die Leitzinsen tief in den negativen Bereich gesenkt werden müssten für die Wirtschaft und das Finanzsystem - auf etwa minus 6 Prozent!

Das war nicht möglich, also versuchten sie, es mit ausgedehnten Anleihekäufen, speziellen Kreditideen und einer Vielzahl von Krisen-Maßnahmen zu unterstützen. Die meisten dieser umstrittenen Schritte waren darauf zurückzuführen, dass sie nicht in der Lage waren, auf negatives Terrain vorzustoßen. Solange es in Amerika nicht möglich ist, vernünftiger Gespräche über negative Zinssätze zu führen - die kontraintuitive Vorstellung, dass Kreditnehmer bezahlt und Sparer unter Druck gesetzt werden - ist das Land zu einem immerwährenden Zyklus aus Krise, Panik und Wiederholung verurteilt.

Werden die Zentralbanken wieder eine Normalität erreicht haben - wo und was das auch immer ist - bevor der Zyklus endet? Es ist zweifelhaft.

Ein weiterer ernüchternder Gedanke: Quantitative Lockerung verwischt die Grenzen zwischen Fiskal- und Geldpolitik, ein Punkt, der von Francesco Papadia gemacht wurde, einem Alumnus der Europäischen Zentralbank, dessen Buch, das er zusammen mit Tuomas Valimaki geschrieben hat, Thema beim Zentralbanker-Treffen an der Columbia in New York war. Die Zentralbanken sind nicht dazu da, fiskalischen Anreize zu setzen.

Sie sind nach 2008 damit durchgekommen, aber nur weil die Not so groß war. Ob wohl ein anderer Vorsitzender ebenso Fed-Dollars in Staatsanleihen pumpen könnte, wie es Ben Bernanke getan hat? Ich hoffe, wir müssen es nie herausfinden.

Daniel Moss schreibt und redigiert Artikel über Wirtschaft für Bloomberg.

(Bloomberg)