Geldpolitik - Börsenliebling Yellen hinterlässt ein aufgeräumtes Haus

Noch-Fed-Chefin Janet Yellen zieht sich im nächsten Jahr ganz aus der US-Notenbank zurück. Unter ihrer Ägide eilten die Aktienmärkte von Rekord zu Rekord.
25.11.2017 08:14
Janet Yellen lieferte den Märkten zumeist verlässliche Orientierungshilfe.
Janet Yellen lieferte den Märkten zumeist verlässliche Orientierungshilfe.
Bild: Bloomberg

Unter Janet Yellen hat die Wall Street einen wahren Höhenflug hingelegt. Nun hat sich die Chefin der US-Notenbank entschlossen, nach dem Führungswechsel im Februar auch ihren Direktorenposten in der Fed zu räumen. In einem Brief an Präsident Donald Trump zog sie eine positive Bilanz ihrer Zeit in der Führungsebene der Fed: Die Wirtschaft habe wieder Tritt gefasst und sich nach den Rezessionsjahren "beträchtlich erholt". Yellen hat nach dem Urteil vieler Experten das Kunststück geschafft, die Zinszügel nach der langen Phase des billigen Geldes zu straffen, die billionenschwere Bilanz abzuschmelzen und dabei zugleich die Börsen bei Laune zu halten.

Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer bescheinigt Yellen, ihrem designierten Nachfolger Jerome Powell ein "bestelltes Feld" zu hinterlassen: "Eine von Powell geführte Fed dürfte den vorgezeichneten geldpolitischen Kurs fortsetzen." Unter Yellens Ägide eilten die Aktienmärkte von Rekord zu Rekord: Seit ihrem Amtsantritt hat der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, gut 16 Prozent zugelegt. Die Aktienindizes Dow Jones und S&P 500 gewannen sogar jeweils fast 50 Prozent.

Genau hier setzte Trumps Kritik an, der Yellen zuletzt zwar lobte, vor seiner Wahl jedoch heftig attackierte: Er warf ihr vor, die Zinsen auf Geheiß seines Vorgängers Barack Obama künstlich niedrig gehalten zu haben, um das Platzen einer Blase zu dessen Amtszeit zu verhindern. Doch der große Knall blieb aus, obwohl Yellen den Preis des Geldes in den USA mittlerweile mit mehreren Zinserhöhungen nach oben getrieben hat.

Seitenhieb an Bernanke

Sie lieferte den Märkten beim Umschalten auf einen strafferen Kurs zumeist verlässliche Orientierungshilfe: Bei einem Auftritt in Frankfurt an der Seite von EZB-Chef Mario Draghi und dem japanischen Notenbankpräsidenten Haruhiko Kuroda konnte sie sich dabei jüngst einen Seitenhieb auf ihren Vorgänger Ben Bernanke nicht verkneifen. Stein des Anstoßes war die als "taper tantrum" bekannte Achterbahnfahrt an den Börsen aus dem Jahr 2013, die Bernanke mit offenbar unüberlegten Äußerungen bei einer Anhörung im US-Kongress ausgelöst hatte.

Yellen betonte, die Äußerungen hätten die Märkte damals überrascht und seien als Zeichen einer aggressiveren Geldpolitik ausgelegt worden. Unter ihrer Amtszeit habe sie ein ähnlich schwieriges Vorhaben, den im Oktober eingeleiteten Abbau der in der Krise aufgeblähten Bilanz der Notenbank, kommunikativ sorgfältig vorbereitet: "Und ich denke, wir waren erfolgreich damit."

Die frühere Professorin der Elite-Universität Berkeley kann zudem auf weitere Erfolge verweisen: Die Arbeitsmarktexpertin hat bei einer Erwerbslosenquote von zuletzt 4,1 Prozent das große Ziel der Vollbeschäftigung faktisch erreicht. Yellen wird zudem zugeschrieben, in der Notenbank ein festes Inflationsziel durchgesetzt zu haben, auch wenn die Fed dieses seit Jahren verfehlt. "Ein Rätsel", wie Yellen angesichts des anhaltenden Aufschwungs in den USA bekennt. Denn die Konjunktur macht sich bislang nicht so stark wie erhofft auf den Lohnzetteln der Amerikaner bemerkbar.

"Weniger autokratisch"

Yellen war in den 90er Jahren kurzzeitig Wirtschaftsberaterin von US-Präsident Bill Clinton, bevor sie zur Fed zurückkehrte und dort 2010 zur Vizepräsidentin aufstieg. Dabei sorgte sie still und geräuschlos mit dafür, dass sich die 1913 gegründete Notenbank wandelte - zum Beispiel mit einer neuen Kommunikationsstrategie. Der Fed-Chef erläutert seither mehrmals im Jahr die Zinsbeschlüsse vor der Presse, die sich zuvor mit einem dürren Begleittext zufriedengeben musste.

Yellen verteidigte bei ihrem Auftritt in Frankfurt auch den auf Konsensbildung abzielenden Führungsstil, der wohl "weniger autokratisch" als unter ihrem Vor-Vorgänger Alan Greenspan ausgefallen sei. Dieser zunächst als "Magier der Märkte" gefeierte Fed-Chef hat in den Augen seiner Kritiker mit einer zu lockeren Geldpolitik zur Immobilienblase in den USA beigetragen, die in den Jahren 2007/08 platzte und fast die gesamte Weltwirtschaft in den Abgrund gerissen hätte.

(Reuters)