Geldpolitik - «Die SNB scheint einen anhaltend starken Franken zu erwarten»

Die Schweizerische Nationalbank hält an ihrem geldpolitischen Kurs wie erwartet fest. So interpretieren Ökonomen den Entscheid und die Erläuterungen der SNB.
20.09.2018 13:05
Gebäude der Schweizerischen Nationalbank in Zürich.
Gebäude der Schweizerischen Nationalbank in Zürich.
Bild: cash

Die Schweizer Währungshüter setzen zur Schwächung des aus ihrer Sicht noch immer hoch bewerteten Frankens weiterhin auf Negativzinsen und Devisenmarktinterventionen, wie sie am Donnerstag bekannt gabven. Die Notenbank beließ das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor am Donnerstag bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Banken müssen für ihre Sichtguthaben bei der SNB weiterhin einen Strafzins von 0,75 Prozent bezahlen. Ökonomen kommentieren die geldpolitische Lagebeurteilung der SNB wie folgt:

RICHARD MOOSER, AXA INVESTMENT MANAGERS

"Erwartungsgemäß hat die SNB ihre Geldpolitik unverändert belassen. Etwas überraschend werte ich hingegen die deutlich tieferen Inflationsprognosen, speziell für 2020, welche um 0,4 Prozent gesenkt wurden und ein Anzeichen sein könnten, dass die SNB einen anhaltend starken Franken und/oder eine wirtschaftliche Abschwächung zu erwarten scheint. Ein Zinsschritt wird bei unverändert starker Heimwährung kaum vor der EZB, sprich Herbst 2019, erfolgen."

MAXIME BOTTERON, CREDIT SUISSE

"Damit deutet sie an, dass sie kaum erwägt, ihren Leitzins in den kommenden drei Jahren anzuheben" (Bis 2021 beliess die SNB ihre Inflationsprognose unverändert oder revidierte sie nach unten.)

THOMAS GITZEL, VP BANK

"Trotz den zuletzt starken Wachstumsraten der eidgenössischen Volkswirtschaft ist die geldpolitische Lagebeurteilung von Zurückhaltung geprägt. Eine Zinserhöhung bleibt damit Zukunftsmusik. Für eine straffere Geldpolitik bedarf es aber auch höherer Inflationsraten. Die Kerninflationsrate, also die Teuerungsentwicklung ohne die volatilen Energie- und Nahrungsmittelpreise, bleibt auf einem sehr tiefen Niveau. Gerade hierbei müsste es zunächst merklich nach oben gehen, ehe die SNB handelt."

"Im Pressetext steht der Schweizer Franken klar im Mittelpunkt. Die Bereitschaft zu Devisenmarktinterventionen wird gleich zu Beginn zweimal erwähnt. Es scheint so, als ob die SNB mit Blick auf die jüngsten Aufwertungen des Franken nervös wäre. Die Währung wird als «hoch bewertet» bezeichnet. Es scheint so, dass die Hürde für Eingriffe am Währungsmarkt nicht allzu hoch liegt."

(cash/Reuters)