Geldpolitik - EZB-Direktorin Lautenschläger tritt vorzeitig zurück

Ohne die Nennung genauer Gründe tritt EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger zurück. Die Deutsche ist eine Kritikerin der extrem lockeren Geldpolitik der Euro-Notenbank.
26.09.2019 06:38
Flaggen vor dem Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Flaggen vor dem Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: Pixabay

Die EZB-Direktorin Sabine Lautenschläger tritt vorzeitig zurück. Lautenschläger wird die Europäische Zentralbank (EZB) bereits am 31. Oktober verlassen. Damit räume sie rund zwei Jahre vor dem regulären Ende ihrer Amtsperiode den Posten, teilte die EZB am Mittwochabend mit.

Lautenschläger ist seit Januar 2014 Mitglied des EZB-Direktoriums. Gründe für den Rücktritt nannte die EZB zunächst nicht. EZB-Chef Mario Draghi dankte Lautenschläger laut Pressemitteilung "für ihre bedeutende Rolle beim Aufbau und der Steuerung der europaweiten Bankenaufsicht".

Vor ihrem Wechsel zur EZB war Lautenschläger Bundesbank-Vizepräsidentin. Lautenschläger war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Deutschland dürfte nun wahrscheinlich Anspruch auf den Posten erheben und einen neuen Kandidaten vorschlagen. Traditionell besetzen Deutschland, Frankreich und Italien - die drei größten Volkswirtschaften der Euro-Zone - jeweils eine Position im Direktorium.

Gegen Anleihenkaufprogramm

Lautenschläger hatte sich Ende August gegen Draghis Kurs gewandt. Kurz vor der jüngsten geldpolitischen Sitzung der Notenbank sprach sie sich gegen einen Neustart des milliardenschweren Anleihekaufprogramms aus. Draghi hatte wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten auf den letzten Metern seiner Amtszeit noch einmal ganz tief in den Instrumentenkasten gegriffen.

Die EZB brachte am 12. September ein umfassendes Paket zur Stützung der Wirtschaft auf den Weg, das eine weitere Zinssenkung, erneute Anleihenkäufe und Erleichterungen für Banken enthält. Zugleich forderte Draghi von Staaten wie Deutschland mehr Einsatz gegen die Konjunkturschwäche. Draghi übergibt Ende Oktober den EZB-Vorsitz an die Französin Christine Lagarde. 

(Reuters/cash)