Geldpolitik - Fünf Erkenntnisse aus dem Fed-Zinsentscheid

Die US-Aktienmärkte haben nicht gerade euphorisch auf die Zinssenkung der US-Notenbank Federal Reserve reagiert. Noch ist nicht sicher, ober die «Tauben» wirklich die amerikanische Zinspolitik bestimmen.
19.09.2019 07:35
Prunkvoller Sitzungssaal der Federal Reserve in Washington DC.
Prunkvoller Sitzungssaal der Federal Reserve in Washington DC.
Bild: ZVG

Die Federal Reserve hat ihre Leitzinsen die zweite Sitzung in Folge verringert und damit auf die zunehmenden Risiken aus der US-Handelspolitik und die Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums reagiert.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat ihre fünf wichtigsten Erkenntnisse zusammengetragen: 

1. Bis auf weiteres keine Senkungen mehr

Weitere Zinssenkungen in diesem oder dem nächsten Jahr sind indessen nicht zu erwarten, wie der so genannte Dot-Plot der einzelnen FOMC-Mitglieder signalisiert. 2021 und 2022 könnte es sogar wieder höhere Zinsen geben. An der Wall Street ist das manchem zu wenig - und auch Donald Trump twitterte seine Missbilligung. Powell liess allerdings die Tür für "umfangreichere Schnitte" offen, falls dies nötig sein sollte.

2. Uneinigkeit unter FOMC-Mitgliedern

Der Meinungen der FOMC-Mitglieder gingen ungewöhnlich auseinander. Laut den Dots können sich nur 7 der 17 Mitglieder eine weitere Zinssenkung bis Dezember vorstellen. Erstmals seit Jahren gab es beim Votum drei Abweichler: Esther George aus Kansas City und Eric Rosengren aus Boston stimmten gegen eine Zinssenkung. James Bullard aus St. Louis wünschte sich einen grösseren Schnitt. Powell betonte, dass ihn der Dissens nicht störe. Den Dots-Projektionen auf Jahressicht solle nicht zu viel Aufmerksamkeit geschenkt werden, da sich die Lage schnell verändere.

3. Keine explizit «dovishe» Tonart

Das FOMC nahm nur geringfügige Änderungen an der Erklärung vor, Wall-Street-Ewartungen auf eine etwas dovishe Tonart wurden enttäuscht. Der Ausschuss erhöhte die Wachstumsprognose für dieses Jahr, rechnet aber weiterhin mit einer Verlangsamung der Dynamik und keineswegs mit dem 3 Prozent-Ziel von Trump. Die Inflation dürfte auf die angepeilten 2 Prozent klettern und dort verharren.

4. Fed verteilt Liquiditätsspritzen

Die Fed verringerte auch den Zins auf Überschussreserven und den Overnight-Repo-Satz um 30 Basispunkte, um angesichts der Spannungen am Geldmarkt wieder die Oberhand zu gewinnen. Powell zufolge waren Fed und Märkte von den jüngsten Ereignissen etwas überrascht. Die US-Notenbank denke darüber nach, wann sie im Einklang mit der Wirtschaftsentwicklung ihre Bilanz wieder ausweiten sollte. Die jüngsten Turbulenzen hätten "keine Auswirkungen auf die Wirtschaft oder den geldpolitischen Kurs".

5. Wall Street ist nicht begeistert - Aktienkurse fallen

Der Dollar zog am Mittwochabend an, Treasuries gaben Gewinne wieder ab und der US-Aktienmarkt fiel zeitweise. Begeistert war die Wall Street nicht, sowohl in Bezug auf den Ton der FOMC-Dots als auch hinsichtlich der Pressekonferenz. Der S&P 500 verlor zeitweise fast 1 Prozent, erholte sich dann aber wieder.

(Bloomberg/cash)

 
Aktuell+/-%
S&P 5003'768.25-0.72%

Investment ideas