Geldpolitik - SNB lässt den Negativzins unangetastet

Die Schweizerische Nationalbank hält an ihren rekordtiefen Negativzinsen fest.
21.03.2019 09:36
Von Daniel Hügli
Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, in einem früheren Interview mit cash.
Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, in einem früheren Interview mit cash.
Bild: cash

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) lässt die Leitzinsen in der Schweiz auf rekordtiefem Niveau. Das gab das Direktorium unter Präsident Thomas Jordan anlässlich ihrer vierteljährlich stattfindenden geldpolitischen Lagebeurteilung bekannt.

Seit 2015 beträgt der Zins auf Sichteinlagen bei der Nationalbank unverändert minus 0,75 Prozent, das Zielband für den Dreimonats-Libor liegt zwischen minus 1,25 und minus 0,25 Prozent. 

Damit will die SNB den Schweizer Franken vor einer zu starken Aufwertung und damit auch die Schweizer Exportwirtschaft schützen. Die negativzinsen haben indes auch gewichtige Nachteile: Sie haben zu Ungleichgewichten am Immobilien- und Hypothekarmarkt geführt sowie die Situation für die Schweizer Vorsorgewerke und deutlich verschlechtert. Auch die Banken leiden unter den Negativzinsen.

Die SNB behält nicht nur den Zins, sondern auch ihr "Wording" zur Lage des Frankens bei: "Insgesamt ist der Franken immer noch hoch bewertet, und die Lage am Devisenmarkt bleibt fragil", schreibt die SNB in einer Mitteilung. Der Negativzins sowie die Bereitschaft der Nationalbank, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, seien damit unverändert notwendig.

Eine Zinsänderung der SNB hätte überrascht, zumal der internationale Zinserhöhungszyklus deutlich ins Stocken geraten ist. Die US-Notenbank Fed stellt ihre Ende 2015 begonnene geldpolitische Straffung vorerst ein, wie sie am Mittwoch bekanntgab. In diesem Jahr wird sie ihren Leitzins voraussichtlich nicht mehr anheben, im kommenden Jahr allenfalls einmal. Die Europäische Zentralbank hat signalisiert, dass sie die Zinsen erst 2020 statt in diesem Jahr erhöhen will.

Unveränderte Prognose für die Schweiz

Ebenfalls unverändert - dies aber etwas überraschend - lässt die SNB ihre Wachstumsprognose für die Schweiz. Sie geht für 2019 weiter von einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von rund 1,5 Prozent aus". Die Konjunkturindikatoren würden momentan auf eine moderat positive Dynamik hindeuten. Das BIP-Wachstum dürfte nach der Stagnation im zweiten Halbjahr 2018 somit wieder etwas an Fahrt aufnehmen. Andere Prognose-Institute hatten zuletzt ihre Prognosen gesenkt.

Die (bedingten) Inflationsprognosen für die Schweiz wurden gegenüber Dezember leicht nach unten angepasst. Für 2019 geht die SNB neu von einer Inflation von plus 0,3 Prozent (alt: plus 0,5%) und für 2020 von plus 0,6 Prozent (alt: plus 1,0%) aus. Erstmals macht sie auch eine Prognose für 2021: Dann erwartet sie im Durchschnitt einen Wert von 1,2 Prozent.

Wie üblich äussert sich die SNB auch zum Hypothekar- und Immobilienmarkt. Die Ungleichgewichte würden bestehen bleiben, heisst es hier. Die Nationalbank beobachte die Entwicklungen am Hypothekar- und Immobilienmarkt entsprechend "weiterhin aufmerksam" und prüfe regelmässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden müsse.

(Mit Material von AWP)