Geldpolitik - SNB lässt Negativzins unverändert - Franken legt zu

Die Schweizerische Nationalbank rüttelt nicht an dem seit Januar 2015 bestehenden Negativzins. Der Franken wertet sich nach dem Null-Entscheid gegen den Euro auf.
13.06.2019 11:25
Von Daniel Hügli, Bern
Schweizerische Nationalbank am Bürkliplatz in Zürich.
Schweizerische Nationalbank am Bürkliplatz in Zürich.
Bild: cash

Das dreiköpfige SNB-Direktorium um Präsident Thomas Jordan belässt das SNB-Zielband bei minus 0,75 Prozent. Das hat die Nationalbank anlässlich ihrer vierteljährlichen geldpolitischen Lagebeurteilung am Donnerstagmorgen in Bern bekanntgegeben. Der Entscheid war so im Markt erwartet worden.

Darüber hinaus ist die SNB bei Bedarf weiterhin zu Interventionen am Devisenmarkt bereit, um eine wirtschaftsschädliche Aufwertung des Frankens zu verhindern. Dieser ist aus Sicht der SNB weiterhin "hoch bewertet". 

"Angesichts der vielen Risikoherde ist die Gefahr eines erneuten Aufwertungsdrucks auf den Franken hoch", sagte SNB-Direktoriumsmitglied Andrea Maechler an der Medienkonferenz in Bern. Letzte Woche war der Franken zum Euro auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren gestiegen. Der Franken steigt zum Euro nach dem Zinsentscheid von 1,1251 bis auf 1,1205. 

Die US-Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank hatten in letzter Zeit signalisiert, dass sie angesichts gestiegener Konjunktursorgen die Zinsen weiter lockern könnten. Auch Thomas Jordan hatte Mitte April solche Andeutungen gemacht. Auf ähnliche Anmekrungen hat Jordan am Donnerstag weitgehend verzichtet. Das erklärt die Frankenaufwertung am Donnerstag nach dem Zinsentscheid.

Auf dem aktuellen Niveau von minus 0,75 Prozent liegen die Zinsen seit Januar 2015. Nirgendwo sonst auf der Welt liegen die Leitzinsen so tief wie in der Schweiz. Die SNB will mit ihrer Geldpolitik, bestehend aus Negativzinsen und Interventionen am Devisenmarkt, den Franken schwächen, damit die Schweizer Exportwirtschaft im Ausland wettbewerbsfähig bleibt. 

Neuorientierung am Leitzins

Die Negativzinsen werden in der Schweiz zunehmend kritisiert, weil sie auf Banken, Versicherern, Pensionskassen und Sparern lasten und den Immobilienmarkt aus dem Gleichgewicht bringen. 

Abgesehen davon belässt die SNB ihre Wachstumsprognose unverändert. Sei geht damit für 2019 weiter von einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes (BIP) von "rund 1,5 Prozent" aus. Zu Jahresbeginn habe sich die Wirtschaftsdynamik belebt und die Konjunkturindikatoren deuteten auf eine weiterhin günstige Dynamik hin, hiess es dazu. Konkret schätzt die SNB das Wachstum für das erste Quartal auf plus 2,3 Prozent.

Die Risiken blieben jedoch nach unten gerichtet. So seien die weltwirtschaftlichen Risiken ausgeprägter als an der letzten Lagebeurteilung im März. Im Vordergrund stünden politische Unsicherheiten sowie die handelspolitischen Spannungen. Eine unerwartet starke Abschwächung der internationalen Wirtschaft würde sich rasch auf die Schweiz übertragen, wurde betont.

Die kurzfristigen (bedingten) Inflationsprognosen für die Schweiz wurden gegenüber März leicht nach oben angepasst, was primär mit einem Anstieg der Preise für Importgüter begründet wurde. Für 2019 geht die SNB neu von einer Inflation von +0,6 Prozent aus (alt: +0,3 Prozent). Für 2020 werden nun +0,7 Prozent (alt: +0,6 Prozent) und für 2021 +1,1 Prozent (alt: +1,2 Prozent) prognostiziert.

Die SNB orientiert sich neuerdings nicht mehr am Libor-Zielband, wie sie am Donnerstag ebenfalls bekanntgab. Sie werde fortan die geldpolitischen Entscheide durch die Festlegung der Höhe des SNB-Leitzinses treffen und kommunizieren. Dieser betrage aktuell -0,75 Prozent. Das Libor-Zielband wurde vor knapp zwei Jahrzehnten eingeführt.

Die Einführung des neuen SNB-Leitzinses begründete die SNB damit, dass die Zukunft des Libors nicht gesichert sei. "Die britische Finanzmarktaufsicht wird das Bestehen des Libors nur bis Ende 2021 durchsetzen." Die Notenbank strebe an, die kurzfristigen besicherten Geldmarktzinssätze in Franken nahe am SNB-Leitzins zu halten. Der heute aussagekräftigste kurzfristige Geldmarktzinssatz sei der Saron, der sich auch als Referenzzinssatz für Finanzprodukte etabliere.

(Mit Material von Reuters und AWP)