Geldpolitik und Konjunktur - Einige EZB-Banker fürchten Vertrauensverlust bei Inflationsziel

Die Inflationserwartungen der Europäischen Zentralbank scheinen die Märkte weniger und weniger zu beeindrucken. Dies könnte dazu führen, dass die EZB geldpolitisch wieder mehr eingreifen muss.
15.06.2019 15:05
Flaggen vor dem Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Flaggen vor dem Sitz der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: Pixabay

In der Europäischen Zentralbank nimmt wohl die Besorgnis zu, dass Anleger das Vertrauen in den Inflationsausblick verlieren. Dies birgt die Gefahr einer sich selbst verstärkenden Spirale, die die Notenbank zwingen könnte, tiefer in ihren Werkzeugkasten der Konjunkturanreize zu greifen. Mitarbeiter bei nationalen Zentralbanken des Euroraums befürchten, dass die Inflationserwartungen "entankert" werden könnten, sagen mit der Angelegenheit vertraute Repräsentanten.

Sie verwiesen auf Wetten auf die Aussichten für die Verbraucherpreise, die in der vergangenen Woche auf ein Allzeittief gesunken sind. Dies geschah, obwohl die EZB ihre Zusicherung, die Zinssätze niedrig zu halten, zeitlich ausgedehnt hat. Dazu haben die Währungshüter auch ihre Bereitschaft erklärt, bei Bedarf mehr zu unternehmen.

Diese Stimmung steht im Gegensatz zu einem öffentlichen Dementi von EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag, dass die Erwartungen zu stark sinken. Ein EZB-Sprecher lehnte eine darüber hinausgehende Stellungnahme ab.

Inflationsziel für EZB entscheidend

Die Verankerung der Inflationserwartungen ist für eine Zentralbank von entscheidender Bedeutung. Sie kann an Glaubwürdigkeit verlieren, wenn Anleger und Verbraucher an ihrer Fähigkeit, das Ziel zu erreichen, zweifeln. Das kann die Unsicherheit erhöhen und die Nachfrage dämpfen, was die Konjunktur weiter schwächen und den Abwärtstrend verstärken könnte.

Einige geldpolitische Entscheidungsträger hatten bereits auf der Sitzung im April ihre Besorgnis über die Inflationsaussichten ausgedrückt, allerdings sind die Erwartungen seitdem weiter gesunken. Zudem signalisierten unterschiedliche Äusserungen auf dem G20-Treffen der Finanzminister im japanischen Fukuoka am Wochenende einen mangelnden Konsens, wie die EZB reagieren solle.

(Bloomberg/cash)