Geldpolitik - US-Notenbank Fed stellt die Zinsweichen neu

Angesichts des immer weitere Kreise ziehenden Zollkonflikts steht die US-Notenbank Fed Gewehr bei Fuss für eine Zinssenkung.
14.06.2019 19:05
Das Federal Reserve Gebäude in Washington im Abendrot.
Das Federal Reserve Gebäude in Washington im Abendrot.
Bild: Bloomberg

Auch wenn die Finanzmärkte für die am Mittwoch anstehende geldpolitische Entscheidung noch keinen solchen Schritt erwarten, dürften die Währungshüter doch zumindest die Weichen in diese Richtung stellen. Entscheidende Hinweise erhoffen sich Experten dabei vom Zinsausblick. Bislang hatten die Währungshüter für dieses Jahr eine Pause signalisiert. Bei Anlegern und Händlern wird aber über bis zu zwei Schritte nach unten spekuliert.

"Spätestens im September dürfte die Fed zur Tat schreiten. Der Zinswende werden andere folgen", prophezeit Commerzbank-Ökonom Bernd Weidensteiner. Mit der sich immer deutlicher abzeichnenden weltweiten geldpolitischen Wende reagierten die Fed und die meisten anderen Notenbanken deutlich früher auf eine konjunkturelle Schwäche als in früheren vergleichbaren Phasen.

Damals sollten massive Zinssenkungen zumeist eine bereits ausgebrochene Rezession möglichst rasch beenden. Jetzt solle eine präventive Lockerung der Geldpolitik "die Rezession überhaupt verhindern", meint Weidensteiner.

Vier Zinsanstiege im letzten Jahr

Voriges Jahr hatte die Fed wegen der brummenden Wirtschaft den geldpolitischen Schlüsselsatz vier Mal angehoben - zuletzt im Dezember auf die Spanne von 2,25 bis 2,5 Prozent. Die unabhängige Notenbank muss laut Experten bei der Umstellung auf eine lockerere Geldpolitik wegen der ständigen Zwischenrufe aus dem Weissen Haus aber darauf achten, dass dies nicht als Einknicken vor der Politik gewertet wird.

"Der Druck von US-Präsident Trump macht den Notenbankern das Leben nicht einfacher. Schliesslich soll es nicht so aussehen, als würde die Fed die Zinsen auf Wunsch des Präsidenten senken", so Ökonom Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi Trader.

Fed-Chef Jerome Powell hatte jüngst eine "angemessene Reaktion" auf Auswirkungen des Handelsstreits angekündigt und damit die Tür für eine Zinssenkung aufgestossen. Die einflussreiche Direktorin Lael Brainard betonte, die Fed sei darauf vorbereitet, die Geldpolitik bei Bedarf zur Stützung des Wachstums anzupassen.

Auch wenn die Wirtschaft rund laufe, gingen von der Handelspolitik Risiken für die Konjunktur aus. Nach dem schwelenden Konflikt mit China und Europa hatte Trump zuletzt auch mit dem Nachbarn Mexiko einen Zollstreit vom Zaun gebrochen, wobei die Zeichen zuletzt allerdings auf Entspannung standen.

Trump poltert

Den Währungshütern dürfte bei einer Neuausrichtung ihrer Zinspolitik in die Hände spielen, dass die Inflation zuletzt auf dem Rückmarsch war. Die Konsumentenpreise legten im Mai nur um 1,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu nach einer Teuerungsrate von 2,0 Prozent im April. Die Fed achtet besonders auf Preisveränderungen bei persönlichen Konsumausgaben, wobei Energie- und Nahrungsmittelkosten ausgeklammert werden.

Hier lag die Steigerungsrate zuletzt bei 1,6 Prozent und damit noch weit unter dem Fed-Ziel von 2,0 Prozent. Der Handelskonflikt mit China scheint nun auch auf den bislang brummenden Arbeitsmarkt durchzuschlagen. Die US-Wirtschaft war zuletzt deutlich zurückhaltender bei Neueinstellungen. Im Mai entstanden nur noch 75'000 Jobs. Einer Faustregel zufolge werden 100'000 benötigt, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten. Das Zinsniveau hält Trump für "viel zu hoch". Die Währungshüter hätten zudem "keine Ahnung", polterte er jüngst an die Adresse der Fed gerichtet.

"Entscheidend für die Geldpolitik scheint nun der Handelskonflikt zu sein, doch die Auswirkungen höherer Importzölle sind letztlich nicht eindeutig", meint Analyst Bernd Krampen von der NordLB. Einerseits würden sie die Produkte in den USA verteuern und die Inflation höher treiben. Andererseits könnte eine konjunkturelle Abschwächung aufgrund zunehmender Verunsicherung die Inflation auch drücken. "Die Federal Reserve stünde demnach vor einem Dilemma, beide Effekte korrekt abzuschätzen", so der Ökonom.

Eine "überhastete Zinssenkung" könnte sich seiner Ansicht nach im Falle einer darauf folgenden möglichen Einigung zwischen den Handelspartnern als falsch herausstellen. Trump lässt derzeit weiter offen, ab wann er seine jüngste Zolldrohung gegen China in Kraft treten lassen will. Er hatte jüngst weitere Strafabgaben auf chinesische Waren im Volumen von 325 Milliarden Dollar angedroht. 

(Reuters)

 

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