Gentinetta-Abgang: «Es gab deutliche Differenzen»

Im cash-Video-Interview äussert sich Economiesuisse-Vizepräsident Christoph Mäder zum abrupten Abgang von Pascal Gentinetta. Zudem gibt er über die anstehenden Herausforderungen von Economiesuisse Auskunft.
19.06.2013 16:09
Von Frédéric Papp
Christoph Mäder, Vizepräsident Economiesuisse, im cash-Video-Interview.
Bild: cash

Der Dachverband der Schweizer Wirtschaft, Economiesuisse, verliert mit dem Direktor Pascal Gentinetta und dem Präsidenten Rudolf  Wehrli gleich zwei Zugpferde. Während Gentinetta per sofort geht, bleibt Wehrli dem Verband bis Ende August erhalten.

Dass der Stuhl von Pascal Gentinetta, wackelt war bekannt, aber dass er nun per sofort den Hut nimmt, kommt doch überraschend: "Zwischen dem Vorstandsausschuss und Herrn Gentinetta gab es hinsichtlich der Leitplanken für die Repositionierung der Economiesuisse in mehreren Punkten deutliche Differenzen", sagt Christoph Mäder, Vizepräsident Economiesuisse, im cash-Video-Interview.

Gentinetta, so Mäder weiter, habe mit der allgemeinen Neuausrichtung der Economiesuisse Probleme gehabt. Worin genau die Differenzen bestanden, wollte Mäder nicht preisgeben. "Wir wollen und können diese nicht en Detail kommunizieren."

Turnaround nicht geschafft

Ein versöhnlicher Abgang klingt anders, auch wenn an der Medienkonferenz am Mittwoch mehrmals betont wurde, dass man sich in gegenseitigem Einverständnis getrennt habe. Die Verdienste von Gentinetta wurden hervorgehoben, Kritik gab es keine, auch nicht an die Adresse von Wehrli.

Fakt ist aber, Gentinetta konnte die Position des einst einflussreichen Dachverbands nicht merklich steigern, und wichtige Abstimmungen wie die Abzockerinitiative gingen verloren. Zudem scherte der Uhrenverband aus der Economiesuisse aus.

Auch Wehrli, der sein Amt wegen zeitlicher Überbeanspruchung nach nur neun Monaten aufgibt, war im Nachhinein betrachtet eine Fehlbesetzung. Dies gibt Vizepräsident Hess indirekt zu: Man habe den zeitlichen Aufwand, der ein solches Amt hinsichtlich des Steuerstreits mit der EU und den USA sowie der Abzockerinitiative mit sich bringe, unterschätzt. "Wir haben Herrn Wehrli ein zu optimistisches Bild präsentiert", gibt Hess selbstkritisch zu.

Kandidaten zieren sich

Die Suche nach einem neuen Direktor sei bereits eingeleitet, hiess es. Auch werden die Fühler nach einem neuen Präsidenten ausgestreckt. Doch mögliche Kandidaten zieren sich: So gab FDP-Ständerätin Karin Keller-Sutter dem Dachverband jüngst einen Korb und auch Hans Hess, der neben dem Vizepräsidentenamt bei Economiesuisse auch den Swissmem-Verband präsidiert, lässt sich nicht für das Präsidentenamt erwärmen.

Christoph Mäder wiegelt ebenfalls ab: "Ich stehe nicht zur Verfügung als Kandidat. Mir ist sehr wohl bei dem, was ich mache." Mäder sitzt beim Agrarkonzern Syngenta in der Geschäftsleitung und führt dort seit 13 Jahren die Rechtsabteilung.

 

Im cash-Video-Interview äussert sich Christoph Mäder über die kommenden Herausforderungen von Economiesuisse.