Gewalttat von München war "klassischer Amoklauf" - kein IS-Bezug

München (awp/sda/dpa/afp) - Die Gewalttat mit zehn Toten in München war nach Angaben der Ermittler ein Amoklauf. Der 18-jährige Täter aus München habe keinen Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat gehabt, sagte Polizeipräsident Hubertus Andrä am Samstag.
23.07.2016 14:54

Bei Durchsuchungen im Zimmer des Schülers habe man Unterlagen zum Thema Amok gefunden. "Mit dem Thema hat sich der Täter offenbar intensiv beschäftigt", sagte Andrä. Darum geht die Münchner Staatsanwaltschaft davon aus, dass es sich bei der Tat um einen klassischen Amoklauf handelt.

Andrä verwies darauf, dass am Freitag der fünfte Jahrestag der Tat des norwegischen rechtsextremen Attentäters Anders Behring Breivik gewesen sei. Insofern liege eine "Verbindung auf der Hand".

Nach Angaben der Ermittler soll der Attentäter auch eine Erkrankung "aus dem depressiven Formenkreis" gehabt haben, wie Oberstaatsanwalt Thomas Steinkraus-Koch sagte. Details liegen den Ermittlern nicht vor.

Der junge Mann hatte am Freitagabend im Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen und dann sich selbst getötet. Danach gab es Gerüchte über mehrere Täter, was zu Panik in ganz München führte.

Polizeipräsident Andrä sagte, es habe keine weiteren Täter geben, der 18-Jährige sei ein Einzeltäter. "Tat und Täter haben überhaupt keinen Bezug zum Thema Flüchtlinge", stellte er klar.

Minderjährige Opfer

Der Deutsch-Iraner nutzte für seine Tat eine 9mm Glock-Pistole. Diese habe der 18-Jährige offenbar illegal besessen, da die Seriennummer der Waffe ausgefeilt war, sagte der Präsident des bayerischen Landeskriminalamts, Robert Heimberger. Eine Erlaubnis für die Waffe besass der Täter nicht. Wo die Waffe herkommt, ist den bisherigen Erkenntnissen zufolge noch offen.

Wie oft der Täter geschossen habe, sei ebenfalls noch unklar, sagte Heimberger. Untersucht werden muss demnach anhand von Videoaufnahmen auch, ob der Amokläufer ein geübter Schütze war. Ausgerüstet war der 18-Jährige den Erkenntnissen zufolge mit hunderten Schuss Munition.

Die Eltern des Täters waren Andrä zufolge bislang nicht vernehmungsfähig. Der Täter lebte gemeinsam mit seinem Bruder und den Eltern in einer Wohnung in München.

Viele Todesopfer waren minderjährig. Zwei 15-Jährige und drei 14-Jährige seien ums Leben gekommen, berichteten die Ermittler. Die weiteren Opfer seien 17, 19, 20 und 45 Jahre alt gewesen. Unter den neun Todesopfern seien drei Frauen gewesen.

Der Amoklauf löste sowohl in Deutschland als auch international Entsetzen aus. Innenminister Thomas De Maizière ordnete bundesweite Trauerbeflaggung an. An allen Dienstgebäuden des Bundes sollten somit am Samstag die Flaggen auf Halbmast gesetzt werden.

Dies geschehe als "Zeichen der Anteilnahme nach der abscheulichen Gewalttat in München", teilte das Innenministerium mit. "Es ist schrecklich und gänzlich unfassbar, was in München passiert ist", erklärte der Innenminister in der Nacht. "Wir trauern um die Opfer und sind mit unseren Gedanken bei ihren Angehörigen".

Sicherheitskabinett tagt erneut

Kanzlerin Angela Merkel kommt am Samstagmittag mit Mitgliedern ihres Kabinetts und den Chefs der Sicherheitsbehörden zusammen, um über die Bluttat zu beraten. Bereits am Freitagabend hatte die Regierung eine Sitzung des äussert selten tagenden Bundessicherheitskabinetts einberufen.

US-Präsident Barack Obama sicherte Deutschland die Unterstützung der Vereinigten Staaten zu. Die USA böten Deutschland "alle Hilfe an, die notwendig sein könnte", sagte Obama am Freitag. Der Iran verurteilte die Tötung "unschuldiger und wehrloser Menschen" und sagte der Bundesregierung und den Deutschen Solidarität zu.

Der österreichische Bundeskanzler Christian Kern äusserte sich bestürzt. "In diesen erschütternden, dramatischen Stunden sind unsere Gedanken und unser Mitgefühl bei den Familien der Opfer von München", schrieb er in der Nacht zum Samstag im sozialen Netzwerk Facebook. Österreich hatte am Freitagabend 42 Polizisten der Spezialeinheit Cobra per Helikopter nach München geflogen, um die dortige Polizei zu unterstützen.

(AWP)