Gläubiger einigen sich mit Österreichs Krisenbank Hypo Alpe Adria

(Ausführliche Fassung)
10.10.2016 14:46

WIEN (awp international) - Die Einigung zwischen Österreichs Krisenbank Hypo Alpe Adria und deutschen Finanzinstituten ist perfekt. Fast 99 Prozent der Gläubiger haben das Rückkaufangebot der Alpenrepublik angenommen, wie der Kärntner Ausgleichszahlungs-Fond am Montag mitteilte. Es ist das Ende eines langen und milliardenschweren Streits.

Der neue Deal wurde offiziell von Seiten des Bundeslandes Kärnten vorgelegt. Gläubiger bekommen nun maximal 90 Prozent ihres Geldes zurück, wenn sie ihr Kapital in unverzinste Anleihen mit Bundesgarantie mit 18-jähriger Laufzeit umwandeln. Sollten die Gläubiger eine sofortige Auszahlung wollen, bekommen sie 75 Prozent zurück. Im besten Fall kostet der Deal Österreich 7,8 Milliarden, im schlechtesten Fall 10,5 Milliarden Euro.

Deutsche Banken und Versicherungen hatten nach der Pleite der Bank sowie einem Schuldenschnitt um rund sieben Milliarden Euro gebangt. Ein erstes Angebot des Landes in Höhe von maximal 75 Prozent der ausstehenden Gelder hatten die Gläubiger im März abgelehnt. Betroffen sind etwa die Commerzbank , die Hypovereinsbank, der Versicherer Allianz, der Rückversicherer MunichRe und die NordLB.

Kärnten hatte jahrelang den Expansionskurs der Hypo Alpe Adria mit landesbehafteten Anleihen in Höhe von elf Milliarden Euro unterstützt. Dabei verspekulierte sich das Institut auf dem Balkan unter dem damaligen Kärntner Ministerpräsidenten, dem Rechtspopulisten Jörg Haider. Dort wurden vielfach Kredite ohne ausreichende Prüfung vergeben.

Die Bank wurde schliesslich 2007 von der BayernLB in der Hoffnung auf lukrative Geschäfte auf dem Balkan gekauft. Doch schon der bayerische Steuerzahler musste die Bank mit Milliarden Euro stützen, bevor sie 2009 wieder an Österreich verkauft und dort privatisiert wurde. Nach langen Auseinandersetzungen hatte Bayern im vergangenen Jahr einen Vergleich über gut 1,2 Milliarden Euro mit Österreich geschlossen.

Das Geld für die Gläubiger soll nun zum Teil durch die Abwicklung der Hypo-Abbaugesellschaft namens Heta kommen. Kärnten, das durch den Deal seine Haftungen losgeworden ist, zahlt 1,2 Milliarden Euro. Den Rest der Summe muss der Bund stemmen. Dadurch ist das südlichste Bundesland Österreichs nicht mehr akut von einer Pleite bedroht./saw/DP/jha

(AWP)