Gold-Initiative: Das müssen Sie wissen

Zwanzig Tage vor der Abstimmung über die Gold-Initiative liegen Gegner und Befürworter beinahe gleichauf. Ein Überblick über die wichtigsten Fragen und Fakten.
11.11.2014 01:03
Von Ivo Ruch
Die SNB hält etwa 1044 Tonnen Gold.

In knapp drei Wochen stimmt die Schweiz über die sogenannte Goldinitiative ab. Ziel des Begehrens ist laut Initiativtext: Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank (SNB) sind unverkäuflich und müssen in der Schweiz gelagert werden. Und die SNB muss binnen fünf Jahren mindestens 20 Prozent ihrer Aktiven in Gold halten.

In den meisten Schweizer Haushalten liegen momentan die Abstimmungsunterlagen zum Ausfüllen bereit. Höchste Zeit, die wichtigsten Fakten zur Abstimmung zusammenzutragen und wichtige Fragen zu beantworten.

Worum geht es genau?

Das Initiativ-Komitee will die Handlungsfreiheit der SNB stark einschränken. Nicht nur soll die Zentralbank mindestens 20 Prozent ihres Vermögens in Gold halten. Die Initianten verlangen auch, dass die SNB kein Gold mehr verkaufen dürfte: "Die Goldreserven der Schweizerischen Nationalbank sind unverkäuflich", heisst es im Initiativtext. Zudem wäre die SNB gezwungen, ihre gesamten Reserven in der Schweiz zu lagern. Heute bunkert sie 30 Prozent des Goldes in Kanada und in Grossbritannien, den Rest in der Schweiz.

Wie hoch ist der Gold-Anteil heute?

Per Ende September betrug das Vermögen der SNB 522 Milliarden Franken. Rund 39 Milliarden davon entfielen auf Gold und Forderungen aus Goldgeschäften. Das entspricht einem Gold-Anteil von 7,5 Prozent. Umgerechnet auf die Bevölkerung hält die Schweiz weltweit die höchsten Goldreserven pro Kopf.

Was soll mit der Initiative erreicht werden?

Den Initianten geht es einerseits darum, das "Volksvermögen zu schützen". Ihre Befürchtung: Im Krisenfall bekommt die Schweiz ihr Gold vom Ausland nicht zurück. Zudem soll die Macht des Papiergeldes in der Schweiz eingeschränkt werden. Durch die laufende Vergrösserung der Geldmenge finde eine Enteignung der Bürger statt. "Je grösser die Goldreserven sind, desto unabhängiger bleibt die Nationalbank", schreiben die Initianten auf ihrer Homepage.

Wer steckt hinter der Initiative?

Mehrere Exponenten der SVP weibeln für das Gold-Begehren. Darunter die Nationalräte Lukas Reimann, Luzi Stamm und der ehemalige Nationalrat Ulrich Schlüer. Auch mehrere SVP-Kantonalparteien gehören zu den Unterstützern. Selbst Börsenguru Marc Faber hat sich kürzlich im "Blick" für die Initiative ausgesprochen. Sein Argument: Die Tiefzinspolitik und die Geldschwemme der Notenbanken werden nicht ohne Folgen bleiben. Aber eigentlich müsste die Initiative weltweit umgesetzt werden.

Wie argumentieren die Gegner?

Nationalrat und Ständerat empfehlen Volk und Stände, die Initiative abzulehnen. Sämtliche Parteien sind zudem dagegen. Auch die SNB hat sich sehr kritisch geäussert. Nach Ansicht von SNB-Präsident Thomas Jordan hat die Initiative gar einen Denkfehler: Der Mindestanteil von Gold wird mit einem Verkaufsverbot verbunden. Dadurch würde der Goldanteil stetig ansteigen und die SNB-Bilanz würde irgendwann fast nur noch aus Gold bestehen. Die SNB könnte nicht mehr flexibel auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren und es wäre langfristig schwieriger, die Preisstabilität aufrechtzuerhalten, sagte Jordan in einem Interview mit der NZZ. Daneben würden die Gewinnausschüttungen an Bund und Kantone zurückgehen, da Gold nicht mehr verkauft werden darf und daher keine Erträge bringen würde.

Das wären die Konsequenzen für den Goldpreis

Um die Folgen der Initiative zu erfüllen, müsste die SNB Gold im Wert von ungefähr 65 Milliarden Franken kaufen. Das entspricht laut Experten mindestens 1500 Tonnen. Allerdings gilt für diese Auflage eine Übergangsfrist von fünf Jahren, was den Effekt auf den Goldpreis in Grenzen halten dürfte.

Wie würde der Franken reagieren?

Laut Thomas Jordan würde die Durchsetzung des Euro-Mindestkurses erschwert. Und der sei zurzeit zentral, um den geldpolitischen Auftrag zu erfüllen. "Es wäre eine Einladung an die Märkte, gegen die Nationalbank zu spekulieren", sagte Jordan. Dieser Meinung ist auch Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf.

Wie sollen sich Edelmetall-Anleger verhalten?

Der Goldpreis hat sich in den letzten Monaten stetig nach unten entwickelt, das Minus seit Jahresbeginn beträgt 3,5 Prozent. Mit knapp 1138 Dollar kostete das Edelmetall letzte Woche so wenig wie seit viereinhalb Jahren nicht mehr. Marktkenner nennen mehrere Gründe für die derzeitige Edelmetallschwäche. Dazu zählt der in den vergangenen Wochen zusehends stärkere Dollar, der den Kauf von Gold für viele Anleger teurer macht. Die erwartete Abkehr der USA von der Nullzinspolitik wird den Goldpreis zusätzlich belasten. Hinzu kommt, dass das Interesse an Gold in Asien in den vergangenen Monaten stetig abgenommen hat. Ein Ja an der Urne könnte den Goldpreis zwar teilweise stützen. Ob der Abwärtstrend damit aber gestoppt wird, bleibt fraglich.

Was sagen die Umfrage-Prognosen?

Zu Beginn des Abstimmungskampfs wurde die Goldinitiative noch wenig beachtet. Doch mittlerweile rückt sie immer stärker ins Rampenlicht. Mehrere internationale Medien haben bereits darüber berichtet. Laut den Ergebnissen der SRG-Umfrage von Ende Oktober gibt es keine klare Mehrheit. 44 Prozent der Befragten hätten ein Ja in die Urne gelegt, 39 Prozent ein Nein. Demgegenüber stehen 17 Prozent Unentschlossene. Es deutet sich also ein spannender Schlussspurt an.