Goldman Sachs warnt - Apple droht ein Gewinneinbruch von 30 Prozent

Apple schlittert möglicherweise in den Handelskonflikt USA-China hinein. Laut Goldman Sachs käme eine Verbannung aus dem chinesischen Markt den US-Elektronikkonzern teuer zu stehen.
23.05.2019 11:10
Von Marc Forster
Apple-Store in Hongkong: 2018 gingen 39 Millionen iPhones nach «Greater China».
Apple-Store in Hongkong: 2018 gingen 39 Millionen iPhones nach «Greater China».
Bild: cash

Der Gewinn des kalifornischen Unternehmens würde um 29 Prozent zurückgehen, schrieb Goldman Sachs kürzlich in einem Kommentar für Investoren. Ein Vorgehen Chinas gegen Apple wäre die Retourkutsche des Regimes in Peking für das Vorgehen der US-Regierung gegen Huawei.

US-Präsident Donald Trump hat den chinesischen Netzwerkausrüster vergangene Woche ins Visier genommen. Amerikanische Firmen dürften Huawei nicht mehr ohne weiteres beliefern, sondern müssten Geschäfte mit dem Unternehmen bei den US-Behörden beantragen. Eine Folge davon könnte etwa sein, dass bei Google keine Updates mehr für Mobiltelefone von Huawei verfügbar wären.

Neue Turbulenzen würden bestende Probleme noch verstärken. Die Apple-Aktie ist bereits seit Anfang Mai von 211,75 auf 182,82 Dollar gefallen. Das erneute Aufflammen des US-chinesischen Konflikts hat massgeblich dazu beigetragen: Präsident Trump kündigte auf gewissen China-Importen 25 Prozent statt bisher 10 Prozent Zoll an. China antwortete ebenfalls mit Zöllen. Vor dieser Wendung Anfang Mai waren die Apple-Valoren unter anderem deswegen angestiegen, weil ein Durchbruch im Handelsabkommen erwartet wurde.

Die Apple-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten (Grafik: cash.ch).

Laut Goldman Sachs könnte es aber aber noch deutlich schlimmer kommen. Apple produziert in China. Das iPhone wird bei der chinesischen Firma Foxconn zusammengebaut. Ein Verbot von Operationen in der Volksrepublik würde die Entwicklung eines neuen iPhones, das im Herbst vorgestellt werden könnte, beeinträchtigen.

In China macht bereits eine "Apple-Boykott"-Bewegung auf sich aufmerksam. Chinas Herrscher Xi Jinping wiederum schlug ebenfalls ernste Töne an: "Wir müssen verschiedene grosse Risiken und Herausforderungen aus dem In- und Ausland überwinden und neue Siege für den Sozialismus chinesischer Art erringen", zitierte ihn die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch. Die internationale Lage werde "immer komplizierter". 

"Schon eine kurzfristige Massnahme, welche die Produktion betrifft, hätte längerfristige Folgen für das Unternehmen", schreibt Analyst Rod Hall in seinem Statement. Apple wäre wohl nicht in der Lage, Produktionskapazitäten kurzfristig aus China herauszuverlagern, schreibt Hall weiter.

Apple ist allerdings auch massiv von China abhängig, was den Absatz betrifft. Apple holte 2018 insgesamt 17 Prozent des Umsatzes aus China, dies sind 10,2 Milliarden Dollar. Verkäufe von Einzelprodukten weist Apple nicht aus. Allerdings sind offenbar vergangenes Jahr rund 39 Millionen iPhones auf die Märkte China, Hongkong, Macau und Taiwan gebracht worden, also der Region "Greater China". 83 Prozent davon gingen nach Festlandchina selbst.