Griechenland-Hilfen: IWF bietet Europäern mehr Zeit für Kompromiss an

In dem vor allem mit Deutschland geführten Streit um Schuldenerleichterungen für Griechenland ist der IWF für ein weiteres Spiel auf Zeit bereit. IWF-Chefin Christine Lagarde bekräftigte in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (Dienstagausgabe) zwar, dass der Fonds weiter auf Schuldenerleichterungen für das südeuropäische Land pocht. Der Internationale Währungsfonds sei aber bereit, gemeinsam mit den europäischen Gläubigern an einer Lösung für die bald anstehende und dringend notwendige Auszahlung von Geld aus dem europäischen Rettungsfonds ESM zu arbeiten.
06.06.2017 06:59

"Wenn die Gläubiger noch nicht so weit sind, unsere Annahmen zu respektieren und zu akzeptieren, wenn sie dafür mehr Zeit benötigen, können wir ihnen etwas mehr Zeit geben", sagte Lagarde der Zeitung. "Es kann also ein Programm geben, bei dem die Auszahlung erst dann geschieht, wenn die Schuldenmassnahmen von den Gläubigern klar umrissen worden sind." Der IWF würde demnach ein Programm beschliessen - mit der Einschränkung, dass er vorerst kein Geld überweist. Sie betonte, dass dies kein neuer Ansatz ist, sondern in der Vergangenheit unter ähnlichen Umständen schon bei anderen Ländern so gemacht wurde.

Griechenland braucht bis Anfang Juli eine weitere Auszahlung aus dem für das Land aufgelegten Hilfsprogramm. Dann muss Griechenlands Finanzminister Euklid Tsakalotos Schulden von mehr als sieben Milliarden Euro zurückzahlen. Die Euro-Finanzminister sollen die Milliardentranche bei einem Treffen Mitte Juni freigeben. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte bisher betont, dass er dies nur machen will, wenn der IWF bei der Griechenland-Rettung weiter dabei ist. Er lehnt aber auch die zentrale Forderung des Fonds nach Schuldenerleichterungen für Athen ab.

Mit der jetzt von Lagarde ins Rennen geworfenen Lösung könnte Schäuble darauf verweisen, dass der Währungsfonds bei der Griechenland-Rettung prinzipiell weiter an Bord ist. Die zentrale Frage der Schuldenerleichterungen wäre aber wieder einmal nur vertagt. Schäuble könnte es aber so gelingen, dass heikle Thema aus dem Bundestags-Wahlkampf herauszuhalten./zb/mne/fbr

(AWP)