Griechenland-Hilfen: IWF bietet Europäern mehr Zeit für Kompromiss an

(Ausführliche Fassung) - In dem vor allem mit Deutschland geführten Streit um Schuldenerleichterungen für Griechenland ist der IWF für ein weiteres Spiel auf Zeit bereit. IWF-Chefin Christine Lagarde bekräftigte in einem Interview mit dem "Handelsblatt" (Dienstagsausgabe) zwar, dass der Fonds weiter auf Schuldenerleichterungen für das südeuropäische Land pocht. Der Internationale Währungsfonds sei aber bereit, gemeinsam mit den europäischen Gläubigern an einer Lösung für die bald anstehende und dringend notwendige Auszahlung von Geld aus dem europäischen Rettungsfonds ESM zu arbeiten.
06.06.2017 08:18

"Wenn die Gläubiger noch nicht so weit sind, unsere Annahmen zu respektieren und zu akzeptieren, wenn sie dafür mehr Zeit benötigen, können wir ihnen etwas mehr Zeit geben", sagte Lagarde der Zeitung. "Es kann also ein Programm geben, bei dem die Auszahlung erst dann geschieht, wenn die Schuldenmassnahmen von den Gläubigern klar umrissen worden sind." Der IWF würde demnach ein Programm beschliessen - mit der Einschränkung, dass er vorerst kein Geld überweist. Sie betonte, dass dies kein neuer Ansatz sei, sondern in der Vergangenheit unter ähnlichen Umständen schon bei anderen Ländern so gemacht wurde.

Griechenland braucht bis Anfang Juli eine weitere Auszahlung aus dem für das Land aufgelegten Hilfsprogramm. Dann muss Griechenland Schulden in Milliardenhöhe zurückzahlen. Die Euro-Finanzminister wollen die weitere Tranche des Hilfsprogramms bei einem Treffen am 15. Juni freigeben. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte bisher betont, dass er dies nur machen will, wenn der IWF bei der Griechenland-Rettung weiter dabei ist. Er lehnt aber auch die zentrale Forderung des Fonds nach Schuldenerleichterungen für Athen ab.

Mit der jetzt von Lagarde ins Rennen geworfenen Lösung könnte Schäuble darauf verweisen, dass der Währungsfonds bei der Griechenland-Rettung prinzipiell weiter an Bord ist. Die zentrale Frage der Schuldenerleichterungen wäre aber wieder einmal nur vertagt. Schäuble könnte es aber so gelingen, das heikle Thema aus dem Bundestags-Wahlkampf herauszuhalten. Lagarde wies den Vorwurf zurück, Schäuble damit aus der Patsche helfen zu wollen. "Nein, das ist es absolut nicht. Es ist eine Möglichkeit für eine Einigung."

Die französische IWF-Chefin forderte die europäischen Länder erneut auf, Griechenland mehr zu helfen. Es sei sehr wichtig, dass die Europäer darüber nachdenken, wie sie Griechenland zusätzlich helfen können. "Sie könnten die Initiative übernehmen, indem sie selbst mehr in Griechenland investieren, weitere Mittel aus Strukturfonds bereitstellen und helfen, privates Kapital anzuziehen."

Griechenlands Finanzminister Euklid Tsakalotos fordert vor allem Deutschland und den IWF zu einer Unterstützung des Landes auf. "Mit gutem Willen auf allen Seiten können wir im Juni in der Euro-Gruppe eine Einigung erzielen, die Klarheit über Griechenlands Schulden schafft, damit sich die Wirtschaft weiter erholen kann", sagte er dem "Handelsblatt". "Deutschland und der IWF müssen jetzt für Klarheit sorgen bei den Schuldenerleichterungen, um ein deutliches Signal zu geben an die Finanzmärkte, dass kein Investor davor Angst haben muss, Geld in Griechenland zu investieren."/zb/bgf/fbr

(AWP)