Hügli meint

Grossbanken Schweiz - Es bleibt dabei: Einen Fall UBS darf es nicht mehr geben

Zehn Jahre nach dem Beinahe-Tod der UBS ist klar: Es braucht eine griffige Regulierung, damit Steuerzahler nicht nochmals für Fehler einer Grossbank geradestehen müssen. Auch wenn dies Nostalgiker nicht wahrhaben wollen.
04.10.2018 00:43
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
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Bild: Geri Born

Es ist schon ein wenig bizarr, wie Peter Kurer an seiner Meinung festhält. Auch heute, zehn Jahre nach dem UBS-«Bailout» durch den Staat, vertritt der ehemalige UBS-Verwaltungsratspräsident die Meinung: Die Rettung seiner Bank im Oktober 2008 sei nicht nötig gewesen.

Fakt ist: Seine Bank war - nach den hochriskanten Investitionen in den US-Hypothekenmarkt – im Krisen-Herbst 2008 nur noch wenige Tage lang zahlungsfähig. Ein zweiter Fall Lehman Brothers quasi, bereit für die Abwicklung. Bis der Bund einsprang.

Was Kurers Einschätzung noch schräger macht:  Die Panik an den Finanzmärkten setzte sich auch nach der UBS-Rettung munter fort. Die Börsen verloren von Herbst 2008 bis März 2009 nochmals die Hälfte ihres Wertes, Kunden zogen weiter UBS-Gelder ab. Ganz zu schweigen vom gleichzeitigen Schlamassel mit einer drohenden Strafanklage der USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung von US-Kunden, die der Bank übel zusetzten.

Aber eben: Die Rettung der UBS war laut Kurer ja unnötig, und man kann eigentlich erleichtert sein darüber, dass er heute kein Finanzinstitut mehr kontrolliert. Nicht bloss unnötig, sondern verboten gehörte aus liberaler Sicht ja einzig, dass ein Staat ein privatwirtschaftlich geführtes Unternehmen aufgrund der Systemrelevanz retten muss. Wer Risiken nimmt und Gewinne erwirtschaftet, muss als Unternehmen auch im Verlustfall dafür geradestehen - bis zur Liquidation, ohne Hilfe des Steuerzahlers.

Doch so einfach ist die Welt seit 2008 nicht mehr. Der Schock des Fast-Kollapses des Finanzsystems sitzt bei den Regulatoren tief. Die Folgen der Krise spüren wir bis heute, und wir werden sie noch lange spüren.

So gesehen sind die Bestrebungen der «Too-big-to-fail»-Gesetzgebung für Banken in der Schweiz verständlich. Sie sind leicht schärfer als ähnliche Vorschriften im Ausland. Der scheinbare Nachteil wird sich wohl auszahlen: Wegen der höheren Eigenkapitalerfordernisse sind Schweizer Banken zwar nicht total abgesichert, aber immerhin besser gewappnet. Und wir alle wissen: Die nächste Krise an den Finanzmärkten kommt bestimmt. Vielleicht schon morgen.