Grossbritannien auf der Suche nach einem Sonderweg

Die britische Premierministerin Theresa May will sich beim künftigen Verhältnis ihres Landes zur Europäischen Union nicht an bestehenden Modellen orientieren, sondern einen neuen Weg beschreiten.
01.08.2016 06:26
Theresa May, seit kurzem Grossbritanniens Premierministerin.
Theresa May, seit kurzem Grossbritanniens Premierministerin.
Bild: Bloomberg

Nach dem geplanten EU-Austritt müsse sie bei der Gestaltung der Beziehungen nicht unbedingt auf ein vorhandenes Konzept zurückgreifen, sagte sie am Mittwoch nach einem Treffen mit dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi: "Ich gehe ganz unvoreingenommen an diese Sache heran." Es müsse ein Modell entwickelt werden, das Grossbritannien und der EU gerecht werde.

Frankreichs Aussenminister Jean-Marc Ayrault hatte sich dagegen ausgesprochen, dass die Briten nach dem sogenannten Brexit automatisch einen ähnlichen Status wie die Schweizer erhalten. Die Eidgenossenschaft hat Zugang zum EU-Binnenmarkt, ohne sich dem Prinzip der vollen Freizügigkeit der Europäischen Union anzuschliessen.

In der Vergangenheit hatte May mehrfach betont, dass sie den Zugang zum Binnenmarkt auch nach einem Brexit erhalten will. Zugleich pocht sie auf eine gedrosselte Einwanderung von EU-Ausländern. Die Freizügigkeit der Arbeitnehmer ist jedoch eine der vier Grundvoraussetzungen für die Teilnahme am Binnenmarkt und dürfte deshalb einer der Hauptstreitpunkte werden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte nach dem EU-Austrittsreferendum der Briten vom 23. Juni "Rosinenpickerei" in den Verhandlungen mit der Europäischen Union ausgeschlossen.

(Reuters)