Grossbritannien - Mays Top-Mitarbeiter reichen nach Wahldebakel Rücktritt ein

Die Wahlpleite der britischen Konservativen führt zu personellen Konsequenzen im direkten Umfeld von Premierministerin Theresa May.
10.06.2017 16:44
Theresa May, Premierministerin von Grossbritannien.
Theresa May, Premierministerin von Grossbritannien.
Bild: Bloomberg

Ihre beiden engsten Mitarbeiter, die Ko-Stabschefs Nick Timothy und Fiona Hill, gaben am Samstag ihre Rücktritte bekannt. "Ich übernehme meinen Teil der Verantwortung für diesen Wahlkampf", erklärte der für das konservative Wahlprogramm zuständige Timothy auf der Internet-Nachrichtenseite ConservativeHome. Dort gab auch Hill ihre Entscheidung in einer knappen Stellungnahme bekannt. "Ich habe keine Zweifel, dass Theresa May weiter als Premierministerin dienen und hart arbeiten wird - und zwar brillant."

May steht allerdings britischen Medien zufolge nach dem Verlust der absoluten Mehrheit bei der Parlamentswahl am Freitag auch selbst unter Druck aus den eigenen Reihen. Nach einem Bericht des "Telegraph" eruieren Parteimitglieder wie Außenminister Boris Johnson, Innenministerin Amber Rudd und Brexit-Minister David Davis, ob sie als Regierungschefin ersetzt werden sollte. Der "Sun" zufolge wollen hochrangige Mitglieder zwar definitiv einen anderen Premier. Ein Sturz der Regierungschefin solle jedoch erst frühestens in sechs Monaten herbeigeführt werden, da sonst Labour-Chef Jeremy Corbyn an die Macht kommen könnte. Die Nachrichtenagentur Reuters hatte aus Tory-Kreisen erfahren, May werde vorerst ihren Posten behalten.

Führende konservative Politiker wollten sich öffentlich nicht auf die Zukunft Mays festlegen lassen. Es sei unmöglich zu sagen, ob sie Ende des Jahres noch Regierungschefin sein werde, sagte etwa der Abgeordnete David Jones der BBC. "Theresa May ist sicherlich die stärkster Anführerin, die wir im Moment haben." Sein Kollege Owen Paterson erklärte, man "muss sehen, wie es läuft". Er wies darauf hin, dass die Gespräche über den geplanten EU-Austritt Großbritanniens in wenigen Tagen beginnen sollen. Die "Times" schrieb, May stehe "vor dem Abgrund". Das Land sei "faktisch führungslos" und "so gut wie unregierbar".

May wollte sich durch die vorgezogene Wahl ein noch stärkeres Mandat für die EU-Gespräche einholen. Stattdessen verloren ihre Konservativen die absolute Mehrheit im Unterhaus. Großbritannien dürfte damit geschwächt in die Brexit-Verhandlungen gehen. Die Konservativen sind nun auf die Zusammenarbeit mit einer kleineren Partei angewiesen, die Democratic Unionist Party (DUP) aus Nordirland. Der Nachrichtenagentur PA zufolge hielt sich ein hochrangiger konservativer Abgeordneter am Samstag in Belfast zu Gesprächen auf.

(Reuters)