Grossinvestor fehlt: Italienische Bank Monte dei Paschi braucht wohl Staatshilfe

SIENA (awp international) - Der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena (MPS) läuft auf der Suche nach frischem Kapital die Zeit davon. Das Traditionshaus erklärte am späten Mittwochabend in Siena, bisher keinen sogenannten Ankerinvestor gefunden zu haben, also einen Geldgeber, der eine grosse Last bei der laufenden Kapitalerhöhung schultert. Damit wird immer wahrscheinlicher, dass der Staat rettend eingreifen muss.
22.12.2016 09:03

Monte dei Paschi ächzt unter einem Berg fauler Kredite, die nun teils abgestossen werden sollen. Damit der Bank dieser Kraftakt gelingt, muss sie bis zum Jahresende 5 Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen. Ein Umtausch von Anleihen in Aktien steuert nach Angaben von Monte dei Paschi 2,06 Milliarden Euro an Kapital zu dem Rettungspaket bei. Zudem werden neue Aktien an Investoren verkauft. Diese Kapitalerhöhung endet an diesem Donnerstag.

Experten rechnen nicht damit, dass Monte dei Paschi die nötige Summe zusammenbekommt. Am Mittwoch war die Aktie der Bank um 12 Prozent abgesackt. Im gesamten Jahr ist das Papier damit 87 Prozent abgestürzt - die Bank ist damit an der Börse keine halbe Milliarde Euro mehr wert.

Bei der Suche nach einem Ankerinvestor hatten die Hoffnungen auf Katars Staatsfonds gelegen. Dieser habe jedoch keine Aktien abgenommen, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Andere Investoren hätten ihre Investition davon abhängig gemacht, dass es einen Ankerinvestor gebe.

Die italienische Zeitung "La Stampa" schrieb, das Kabinett könnte schon am Abend tagen, um die Bank zu retten. Erst am Vortag hatte das Parlament die Aufnahme neuer Staatsschulden in Höhe von 20 Milliarden Euro gebilligt, um Monte dei Paschi und andere Krisenbanken notfalls stützen zu können. Die italienische Finanzbranche leidet unter der schwachen Wirtschaft im Land, weshalb viele Schuldner ihre Kredite nicht bedienen können./das/zb/stb

(AWP)