Gute Stimmung in Chinas Industrieunternehmen

(Ausführliche Fassung) - Chinas Industrieproduktion scheint wieder an Fahrt zu gewinnen. Im Februar hat sich die Stimmung der Einkaufsmanager stärker aufgehellt als erwartet. Volkswirte sehen aber trotz der robusten Zahlen auch Risiken.
01.03.2017 11:35

Der vom Wirtschaftsmagazin "Caixin" ermittelte Stimmungsindikator, der die Lage bei den kleinen und mittelgrossen Industrieunternehmen erfasst, zog nach Angaben vom Mittwoch auf 51,7 (Januar: 51,0) Punkte an. Von Bloomberg befragte Experten hatten mit einem leichten Rückgang gerechnet.

Bei der von der Regierung veranlassten Umfrage unter Einkaufsmanagern zog der Index um 0,3 auf 51,6 Punkte an. Hier war ein Rückgang auf 51,2 Punkte erwartet worden. Werte über 50 deuten auf ein Wachstum im Industriesektor hin, während ein Indexstand darunter rückläufige Produktion signalisiert. Gestützt wurde dieser Indikator allerdings nur durch die Entwicklung bei den grossen Unternehmen. Hier gab der Unterindikator für die mittelgrossen Unternehmen nach, während der Wert für die kleinen Unternehmen unter der Wachstumsschwelle stagnierte.

"Die Stimmung in Chinas Industriesektor ist am aktuellen Rand unerwartet ausgelassen", kommentierte Frederik Kunze, Analyst bei der NordLB. Man könne von einer breit aufgestellten Verbesserung sprechen. Allerdings scheinen laut Kunze, die kleinen und mittelgrossen Unternehmen etwas den Anschluss zu verlieren. Zudem sei ein signifikanter Anteil der aktuellen Dynamik "auf Pump" finanziert, wie jüngste Daten zum Kreditwachstum zeigten. "Dies ist nur eine Herausforderung, die die Entscheidungsträger beim am Sonntag startenden Volkskongress thematisieren müssen", schreibt der Experte.

Die Daten deuten laut Commerzbank-Analyst Hao Zhou auf einen stabil bleibenden Produktionssektor hin. Schliesslich bewegten sich die Indikatoren den siebten Monat in Folge im expansiven Bereich. "Angesichts der stabilen Konjunkturlage dürfte die Geldpolitik allmählich gestrafft werden", erwartet Zhou. Die Bekämpfung von Spekulationsblasen werde daher das Schlüsselthema beim Nationalen Volkskongress bleiben.

Im Dezember hatte sich das Wachstum der Industrieproduktion etwas verlangsamt. Sie stieg im Vergleich zum Vorjahr um 6,0 Prozent - im November hatte der Anstieg noch 6,2 Prozent betragen.

Wegen der vielen Feiertage um das Neujahrsfest herum wurden keine Daten für die Produktion im Januar veröffentlicht. Am 14. März soll die Entwicklung der Industrieproduktion der ersten beiden Monate des Jahres bekannt gegeben werden./jsl/jkr/mis

(AWP)