GV Schweizerische Nationalbank - SNB-Jordan: «Verluste sind nicht auszuschliessen»

SNB-Präsident Thomas Jordan äusserte sich an der Generalversammlung der Zentralbank zur gewachsenen Bilanz und zu den Gewinnausssichten der SNB.
28.04.2017 10:30
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, in einem cash-Interview im letzten Dezember.
Thomas Jordan, Präsident der Schweizerischen Nationalbank, in einem cash-Interview im letzten Dezember.
Bild: cash

"Unsere heutige Bilanzgrösse ist Ausdruck der Krisenbewältigung der vergangenen zehn Jahre", sagte Thomas Jordan, Präsident des SNB-Direktoriums, laut Redetext an der Generalversammlung vom Freitag in Bern. Die Umsetzung der SNB-Geldpolitik habe 2016 dazu geführt, dass Devisen im Gegenwert von 67 Mrd CHF erworben wurden. Zusammen mit den Bewertungsveränderungen und den Zins- und Dividendenerträgen haben die Devisenreserven der SNB im Jahr 2016 um 86 Mrd zugenommen.

Die grössere Bilanz stelle auch höhere Anforderungen an die Anlagepolitik. Diese verfolgt laut Jordan zwei Hauptziele: Einmal soll sichergestellt werden, dass die Bilanz jederzeit zu geldpolitischen Zwecken eingesetzt werden kann. Zudem müsse der langfristige Werterhalt der Währungsreserven sichergestellt werden. Dabei unterliege die SNB den Vorgaben, dass sie sich gegen Wechselkursrisiken gegenüber dem Franken nicht absichern kann und dass die Anlagen möglichst marktschonend erfolgen müssen. Insbesondere mit letzterem Punkt unterscheide sich die Anlagepolitik grundlegend von der Geldpolitik.

"Die SNB hat ihr Anlageuniversum in Bezug auf Anlageklassen, auf Anlagemärkte wie auch auf Währungen kontinuierlich ausgeweitet", sagte Jordan. Dadurch könnten gekaufte Devisen rasch absorbiert werden und die Aufnahme neuer Anlagekategorien ermögliche eine breite Diversifikation. Dies trage zum Werterhalt der Währungsreserven bei. "Die Aktienanlagen haben seit 2005 mit einer in Franken gemessenen Jahresrendite von 2,8% den Anlageerfolg überdurchschnittlich positiv beeinflusst", so der SNB Chef.

"Mit einer wachsenden Bilanz steigen sowohl das absolute Gewinn- als auch das absolute Verlustpotenzial", sagte Jordan weiter. Durch den höheren Anteil der Währungsreserven sei die Bilanz mehr als früher der Volatilität der Finanzmärkte ausgesetzt, insbesondere Schwankungen der Wechselkurse. "Verluste sind je nach Entwicklung daher nicht auszuschliessen."

Gelegentliche Verluste würden, auch wenn sie gross sind, kein grundsätzliches Problem darstellen. Als Zentralbank bleibe die SNB auch dann handlungsfähig. Dennoch gelte es, einen solchen Zustand möglichst zu vermeiden. "Unsere Rückstellungspolitik und die Ausschüttungsvereinbarung sind daher auf die Sicherung einer soliden Eigenkapitalausstattung ausgerichtet."

Wachstum der Schweizer Wirtschaft setzt sich fort

"In der Schweiz ist eine weiterhin expansive Geldpolitik angebracht", erklärte Jordan weiter. "Der Negativzins und die Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt zu intervenieren, zielen darauf ab, den Druck auf den Franken zu reduzieren." Die SNB werde ihren geldpolitischen Handlungsspielraum auch weiterhin nutzen, um die Preisstabilität in der Schweiz mittelfristig zu gewährleisten, versprach er. Dabei müsse der konjunkturellen Entwicklung Rechnung getragen werden.

"In der Schweiz liegt die Inflationsrate seit Anfang Jahr wieder über null", so der SNB-Chef weiter. Dies führte er, wie auch bei den Handelspartnern der Schweiz, zu einem grossen Teil auf den gestiegenen Ölpreis sowie die Nahrungsmittelpreise zurück. Die Kerninflation liege nicht zuletzt wegen nicht voll ausgelasteter Produktionskapazitäten etwas tiefer. "Unsere aktuelle Inflationsprognose sieht die Teuerung Mitte 2019 bei rund 1%", so Jordan weiter.

"Das moderate Wachstum der Schweizer Wirtschaft setzt sich fort", lautet die Einschätzung des SNB-Chefs. Nach der Aufhebung des Mindestkurses sei das BIP wegen der Aufwertung des Frankens im ersten Quartal 2015 geschrumpft. Seither wachse die Wirtschaft jedoch wieder, und aktuelle Konjunkturdaten würden darauf hin deuten, dass sich dieses Wachstum fortsetzen werde. Trotzdem seien die Produktionskapazitäten noch nicht voll ausgelastet und die Erholung verlaufe in den einzelnen Branchen unterschiedlich. "Für das Jahr 2017 rechnen wir mit einer Zunahme des BIP von rund 1,5%."

(AWP/cash)