Haben die SNB-Devisenhändler eingegriffen?

Anleger flüchten wegen der Krim-Krise wieder in sichere Häfen: Das spürt auch der Franken. Die Schweizerische Nationalbank hat ihr Verteidigungsgeschütz offenbar wieder in Stellung gebracht.
03.03.2014 12:13
Von Frédéric Papp
Mit der Ruhe bei der SNB ist es vorbei.
Mit der Ruhe bei der SNB ist es vorbei.
Bild: Bloomberg

Das Säbelrasseln auf der urkrainischen Halbinsel Krim geht weiter. Die Lage droht zu eskalieren und bedroht damit auch die konjunkturelle Erholung in Europa. Käme es tatsächlich zu einem Krieg in der Ukraine, würden vor allem Banken massive Kreditausfälle verzeichnen. Ein konjunktureller Einbruch hätte auch Folgen für die ganze Weltwirtschaft.

Die Investoren manövrieren ihr Kapital daher vorsorglich schon mal in "sicheren Häfen" wie Gold oder in die Währungen Yen und Franken.

Bei Handelsbeginn in Fernost erreichte der Franken gegen den Euro in den meisten Handelssystemen einen Wert von 1,2103. Gegenüber cash sagte ein Händler, dass auf der Reuters-Handelsplattform der Franken gar kurz bei 1,2097 Franken gehandelt wurde. Solche Kurse wurden seit November 2012 nicht mehr erreicht. In der Nacht auf Montag schwächte sich der Franken wieder gegen 1,2130 Franken ab.

Intervention aus Singapur?

Diese Frankenabschwächung nach Mitternacht deutet laut des von cash befragten Händlers auf eine Intervention der Schweizerischen Nationalbank (SNB) hin. Und zwar von ihrem Aussenposten in Singapur. Seit Juli 2013 unterhält die SNB in Singapur eine ausländische Niederlassung, um eingreifen zu können, falls der Euro unter den Mindestkurs von 1,20 Franken zu fallen droht. Diese Aufgabe musste zuvor in Zürich in Nachtschichten erledigt werden.

Die letzte Intervention der SNB zur Verteidigung der Kursuntergrenze liegt eine Weile zurück. Mitte Dezember des letzten Jahres sagte SNB-Präsident Thomas Jordan, dass die hauseigenen Devisenhändler seit September 2012 keine Euro-Käufe mehr tätigen mussten.

Aufwärtsdruck bleibt bestehen

Doch mit der Ruhe ist es nun vorbei. Denn die angespannte geopolitische Situation in der Ukraine wird sich so schnell nicht in Luft auflösen. Darum wird sich die SNB nun sehr genau mit dem Währungsmarkt auseinandersetzen müssen.

"Solange die Spannungen in der Ukraine nicht abnehmen, dürfte der Aufwärtsdruck auf den Franken bleiben", schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in ihrem heutigen Marktbericht. Für Verunsicherung sorge auch, so die ZKB, der Abschuss zweier Kurstrecken-Raketen durch Nordkorea Richtung Osten ins offene Meer.

Die möglichen Euro-Käufe werden auch den Devisenberg der Schweizerischen Nationalbank weiter ansteigen lassen. Der Bestand an Anlagen in Fremdwährungen betrug 2013 umgerechnet gut 435 Milliarden Franken. Der Wert ist damit gegenüber den per Ende 2012 bilanzierten Devisenanlagen von rund 432 Milliarden Franken bloss um 0,7 Prozent gewachsen.