Hügli meint

Handeln Sie bitte, Frau Yellen

Die Leitzinserhöhung in den USA muss in diesem Jahr kommen. Sonst besteht wirklich Anlass zur Sorge.
16.09.2015 00:05
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Heute Mittwoch beginnt die mit Spannung erwartete Sitzung des Offenmarktausschusses der US-Notenbank Federal Reserve. Der Zinsentscheid wird am Donnerstag bekanntgegeben. Das grosse Werweissen, ob die Zentralbank unter der Führung von Janet Yellen die Leitzinsen zum ersten Mal seit fast zehn Jahren erhöht, hat dann ein Ende. Oder auch nicht. Dann wird das Mutmassen quälend weitergehen.

Eigentlich war die Sache fast klar: Die US-Wirtschaft hat sich anständig erholt. Sie wird in diesem Jahr voraussichtlich 2,5 Prozent wachsen, im nächsten Jahr laut Prognosen gar 3 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen hat sich deutlich verringert. Einer Zinserhöhung Mitte September schien nichts mehr im Weg zu stehen. Die schwachen Wachstumszahlen und das Börsenbeben in China haben diesen Zeitpunkt nun arg in Zweifel gezogen. Es droht ein jäher Absturz des Wirtschaftswachstums in China. Mit einem Zinsschritt zum jetzigen Zeitpunkt könnte die Fed der Weltwirtschaft einen Bärendienst erweisen. 

Ein Zinsschritt nun also erst im Dezember mit Rücksicht auf die fragile Lage der Weltkonjunktur? Oder vielleicht als Kompromiss im Oktober? Diese Fragen sind müssig. Die einfache Antwort auf das Thema lautet: Hauptsache, die Leitzinserhöhung kommt noch in diesem Jahr. Je früher, desto besser.

Denn kommt die Zinserhöhung nicht, dann muss man sich wirklich ernsthafte Gedanken machen zum Zustand der Weltwirtschaft. Man müsste sich die Frage stellen, ob es fast zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise und sieben Jahre nach der Rezession nicht gelungen ist, die Konjunktur auf einen normalen Pfad zu bringen. Man müsste sich die Frage stellen, ob all die Zentralbank-Billionen, die ins System geflossen sind, ihre Wirkung nicht erzielt haben. Und man müsste sich die Frage stellen, ob die Zentralbanken langsam am Ende ihres Lateins sind. 

Die Folgen der ultralockeren Geldpolitik der Notenbanken sind als Warnsignal längst spürbar. Die Marktpreise in den verschiedenen Anlageklassen sind überhöht, die Renditen auf den Bondmärkten bilden die Realität schon lange nicht mehr ab. Es sind Fantasie-Yields. Die seit Jahren kellertiefen Zinsen bringen Vorsorgeeinrichtungen in die Bredouille und die Sparer zum Verzweifeln.

Es kann niemand behaupten, eine US-Leitzinserhöhung käme nun überraschend. Die Fed bereitet das Feld dafür kommunikativ schon seit mehr als zwei Jahren vor. Sie hätte eigentlich schon früher handeln müssen. Jetzt braucht es endlich ein Signal. Ein Signal, das eine Rückkehr zu mehr Normalität weist. Darum: Handeln Sie bitte, Frau Yellen.