Handelsstreit mit USA: China spricht von 'konstruktiven' Gesprächen

(Ausführliche Fassung) - China und die Vereinigten Staaten haben in ihrer jüngsten Verhandlungsrunde zum Handelsstreit anscheinend noch keinen Durchbruch erzielen können - dies war aber von Experten auch nicht erwartet worden. Die Gespräche seien aber "ehrlich und konstruktiv" verlaufen, teilte das chinesische Handelsministerium am Freitag nach dem Besuch einer Delegation um den chinesischen Vize-Handelsminister in Washington mit. Beide Seiten vereinbarten demnach, für eine künftige Übereinkunft in Kontakt zu bleiben.
24.08.2018 06:52

Ein schnelles Ende der Strafzölle, mit denen sich die beiden grössten Volkswirtschaften derzeit in immer neuen Runden überziehen, ist damit weiterhin nicht absehbar. Ökonomen befürchten, dass beide Staaten auf einen Handelskrieg zusteuern, der Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben könnte. Auch die starke deutsche Exportwirtschaft würde wohl leiden.

Man habe sich darüber ausgetauscht, wie man in den wirtschaftlichen Beziehungen Gerechtigkeit, Ausgewogenheit und Gegenseitigkeit herstellen könne, hiess es bereits am Vortag zum Abschluss der Gespräche aus dem Weissen Haus. Zeitgleich mit den ersten offiziellen Verhandlungen über den Konflikt seit mehr als zwei Monaten hatten beide Staaten am Donnerstag eine neue Runde von Strafzöllen auf Waren im Wert von jeweils 16 Milliarden US-Dollar in Kraft gesetzt.

Zudem läuft in Washington eine Anhörung, bei der US-Unternehmen ihre Bedenken gegen die mögliche Verhängung von weiteren Zöllen auf Waren im Wert von weiteren 200 Milliarden Dollar vorbringen können. Sollten auch diese Zölle in Kraft treten, wäre mehr als die Hälfte des Handelsvolumens mit China von Sonderabgaben betroffen.

Die Palette der chinesischen Produkte, für die die neuen US-Zölle gelten, reicht von Kunststofferzeugnissen wie Abflussrohren bis hin zu Agrarprodukten und Eisenbahnwaggons. Peking will dagegen laut der vorherigen Ankündigung Rohstoffe wie Kohle und Gas sowie Motorräder und andere Fahrzeuge mit Strafabgaben belegen.

Eine chinesische Delegation unter der Leitung des stellvertretenden Handelsministers Wang Shouwen kam in Washington mit Finanzstaatssekretär David Malpass zusammen, um eine Entspannung der Situation anzustreben. Wegweisende Entscheidungen wurden von dem Besuch der Chinesen nicht erwartet. Ein Sprecher des chinesischen Aussenministeriums hatte davor die Hoffnung geäussert, dass "die USA China auf halbem Weg treffen".

Ökonomen befürchten, dass beide Staaten auf einen Handelskrieg zusteuern, der Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben könnte. Stark davon betroffen wäre wohl auch die deutsche Wirtschaft, deren Exportindustrie sowohl mit den USA als auch China eng verwoben ist. "Bei dem Handelsstreit zwischen den beiden grössten Volkswirtschaften der Welt sind wir keine unbeteiligten Zuschauer, sondern mittendrin", sagte Holger Bingmann, Präsident des Bundesverbandes Grosshandel, Aussenhandel, Dienstleistungen (BGA).

Infolge der fortgeschrittenen internationalen Arbeitsteilung habe der Disput das Potenzial, sich schädlich auf Lieferketten in der ganzen Welt auszuwirken. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump stört sich an dem hohen Handelsdefizit mit China. Trump wirft Peking vor, seine Währung zu manipulieren, um eigene Exporte künstlich zu verbilligen.

Ausserdem fürchten die Amerikaner das strategische chinesische Industrieprogramm unter dem Titel "Made in China 2025". Damit will Peking mit staatlicher Förderung zahlreiche heimische Unternehmen für den Weltmarkt vorbereiten. Die USA halten das für unerwünschte Subventionspolitik, die auch zulasten amerikanischer Firmen geht.

China kann Vergeltung mit eigenen Strafzöllen auf Importe aus den USA nur begrenzt ausüben, weil die USA nur Waren für 130 Milliarden US-Dollar nach China ausführen. US-Firmen fürchten deshalb, dass Peking ausser Zöllen noch zu anderen Gegenmassnahmen greifen könnte./jpt/dm/DP/zb

(AWP)