Hauptroute für Flüchtlinge führte 2016 über Italien

2016 sind mehr Migranten über Italien nach Europa gekommen als über Griechenland. Das geht aus Daten des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR hervor.
31.12.2016 10:10
Fluchtweg, aber auch Todesfalle: Das Mittelmeer bei Sizilien.
Fluchtweg, aber auch Todesfalle: Das Mittelmeer bei Sizilien.
Bild: Pixabay

Obwohl die Zahl der Flüchtlinge, die Europa über das Mittelmeer erreichten, gegenüber 2015 um rund zwei Drittel zurückgegangen ist, starben zugleich so viele Menschen auf der gefährlichen Überfahrt von Nordafrika Richtung Italien wie nie zuvor.

  • 2016 kamen dem UNHCR zufolge bis zur vorigen Woche 358'923 Migranten über das Mittelmeer nach Europa. Zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise 2015 waren es über eine Million Menschen.
  • Über Italien versuchten davon 179'747 Menschen nach Europa einzureisen. Über Griechenland waren es 173'130 - vor allem in den ersten Monaten des Jahres. Die Flüchtlingszahlen über die Ägäis sind seit März deutlich zurückgegangen, nachdem die EU und die Türkei ein Abkommen über die Rückführung von Migranten abgeschlossen haben.
  • Die Route über Nordafrika und das Mittelmeer Richtung Italien ist wesentlich länger und damit gefährlicher als über die Ägäis. In diesem Jahr sind laut UNHCR mit 5011 Migranten so viele Menschen bei dieser Überfahrt ums Leben gekommen wie nie zuvor.
  • Von allen ankommenden Flüchtlingen stammten dieses Jahr 23 Prozent aus dem Bürgerkriegsland Syrien, gefolgt von Afghanen (zwölf Prozent). Mit mittlerweile fast 2,8 Millionen Menschen nimmt die Türkei die meisten syrischen Flüchtlinge auf. In Afghanistan ist die Sicherheitslage in bestimmten Landesteilen durch den Aufstand der radikal-islamischen Taliban angespannt.
  • Die meisten Migranten, die 2016 in Italien ankamen, stammten aus Nigeria, gefolgt von Menschen aus Eritrea und Guinea. Das ölreiche Nigeria ist neben Südafrika zwar das wirtschaftlich stärkste Land Afrikas. Doch Korruption machen dem Land ebenso zu schaffen wie eine Wasserkrise in der Millionenmetropole Lagos und eine drohende Hungersnot im nördlichen Bundesstaat Borno, in dem die radikalislamische Gruppe Boko Haram zuletzt vom Militär zurückgedrängt wurde.
  • Die EU strebt mit Nigeria ein Abkommen zur engeren Zusammenarbeit in Migrationsfragen an will im Gegenzug für Finanzhilfen abgelehnte Asylbewerber schneller dorthin abschieben können. Etwa mit Niger ist eine solche Vereinbarung bereits geschlossen, weitere sind mit Äthiopien, Senegal und weiteren afrikanischen Staaten geplant.

(Reuters)