Heimlicher Türenkönig beglückt Aktionäre

Die an der Pariser Börse kotierte Aktie des Fehraltorfer Schiebetüren-Primus Agta Record zeigt eine schöne Performance. Im Gespräch mit cash gibt CEO Stefan Riva Einblicke in die wenig bekannte, aber lukrative Branche.
17.04.2014 01:53
Von Frédéric Papp
Agta Record produziert jedes Jahr 60'000 automatische Schiebetüren.
Agta Record produziert jedes Jahr 60'000 automatische Schiebetüren.
Bild: ZVG

Sei es bei der Arbeit, beim Einkaufen oder im öffentlichen Verkehr, jeder passiert sie mehrmals täglich – automatische Schiebetüren. Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass es sich dabei um ein Produkt von Agta Record handelt.

"Hierzulande haben wir in etwa einen Marktanteil von 40 Prozent", sagt Stefan Riva, CEO von Agta Record, im Gespräch mit cash. In Europa beträgt der Marktanteil gut 20 Prozent, wobei das Unternehmen in Frankreich eine sehr starke Stellung innehat. 

Das Unternehmen liefert insgesamt über 60'000 Türen und Türantriebe pro Jahr aus. Inzwischen haben die Fehraltorfer weltweit über 500'000 Türen in Betrieb genommen. Auch in exklusiven Bauten wie im Swiss-Re-Tower "The Gherkin" in London oder im Novartis Campus Basel sind automatische Schiebetüren von Agta Record verbaut.

Akquisitorisches und organisches Wachstum antreiben

Das Unternehmen zählt zu den globalen Marktführern, doch kaum jemand kennt den Branchenprimus aus dem Zürcher Oberland. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Fehraltorf und beschäftigt weltweit über 2000 Mitarbeiter, davon etwa 270 in der Schweiz. Die Elektronik und die Software wird in Fehraltforf produziert, die Mechanik der Antriebstechnik in Shanghai. Der Umsatz konnte 2013 erneut gesteigert werden und belief sich auf gut 260 Millionen Euro.

Auch das erste Quartal des laufenden Jahres werde erfreulich ausfallen, sagt Riva, der nun seit gut zehn Jahren die Geschicke bei Agta Record lenkt. Die Nettoliquidität beträgt auch nach zwei Akquisitionen im laufenden Jahr gut 50 Millionen Euro und der Cash Flow liegt bei über 20 Millionen Euro pro Jahr. "Liquidität ist für uns keine Wachstumsbremse", sagt Riva.

Ein Teil davon setzt der Konzern für weitere Firmenkäufe ein, um das Fünfjahresziel von 400 Millionen Euro Umsatz zu erreichen. Asien und der Mittlere Osten seien noch ausbaufähig und in den USA betrage der Marktanteil erst 10 Prozent, so Riva. Auch organisch will der Türenkonzern weiter wachsen und konzentriert sich dabei auf das Unterhaltsgeschäft. Bereits heute erwirtschaftet Agta Record 40 Prozent des konsolidierten Umsatzes mit Wartungsarbeiten. Der defensive Charakter dieses Geschäftsbereichs stützt den Aktienkurs auch in schwierigen und unsicheren Zeiten.

Der Blick auf die Kursentwicklung der Aktie spiegelt den Erfolg des nahezu schuldenfreien Unternehmens. In den letzten zehn Jahren hat sich der Wert mehr als verdreifacht.  "Inklusive Dividende betrug die Rendite für Anleger durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr", rechnet Riva vor. Auch im laufenden Jahr ist die Aktie um über 11 Prozent geklettert und schlug damit die Konkurrenten teils deutlich.

Unternehmen Performance seit 1.1.14 Performance 52 Wochen

Agta Record

+9,4% +11,5%
Stanley Black&Decker -0,6% +5%
Assa Abloy -2,4% +41%
Nabtesco -8,5% +9,4%

Quelle: cash.ch, Stand: 16. April, 13:00 Uhr

Relative Anonymität hat auch Vorteile

Agta Record ist seit 1998 an der Pariser Börse Euronext kotiert - aus historischen Gründen. Rivas Vorgänger und heutiger Verwaltungsratspräsident Hubert Jouffroy ist selber Franzose und baute damals das Frankreich-Geschäft stark aus. Zum anderen sei das Interesse der Schweizer Banken damals eher lauwarm gewesen, so Riva. "Hätten sie mehr Interesse gezeigt, wären wir heute wahrscheinlich an der Schweizer Börse kotiert. Dann wäre Agta Record mit Sicherheit bekannter."

Doch Riva sieht auch Vorteile darin, dass Agta Record unter dem Radarschirm der Medien fliegt. So könne er mehr Zeit für das operative Geschäft verwenden, Kontakte mit Journalisten seien eher die Ausnahme.

Sorge um Wirtschaftsstandort Schweiz

Mit gemischten Gefühlen blickt Riva auf die jüngsten politischen Abstimmungen in der Schweiz. Gerade die Zuwanderungsinitiative könnte je nach Umsetzung einen grossen Einfluss auf Agta Record haben, sagt Riva, der im Kanton Baselstadt aufwuchs.

Die Schlüsselpositionen sind bei Agta Record oft mit Ausländern besetzt, da es laut Riva schlicht zu wenig qualifizierte Schweizer gibt. Der Kampf um die besten Talente auf Topmanagement-Ebene werde mit harten Bandagen geführt.

Die Schweizer Konjunktur hat sich im Vergleich zur Europäischen Union in den letzten Jahren deutlich besser entwickelt. Das Land gilt bei vielen Marktbeobachtern als veritable Erfolgsstory. Doch die nach Riva wirtschaftsfeindlichen Abstimmungen wie die Minder- oder die Zuwanderungsinitiative "bedrohen langfristig den Schweizer Wirtschaftsstandort", warnt der CEO. Sorgenfalten bereitet ihm aber auch die Mindestlohn-Initiative, die am 18. Mai zur Abstimmung kommt. 

"Es ist wie in einem Unternehmen. Oft fallen die falschen Entscheidungen nicht in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, sondern dann, wenn es einem zu wohl ist", sagt Riva.

Im cash-Video-Interview sagt Riva, weshalb die Aktie von Agta Record attraktiv ist, und er nennt die Trends in der automatischen Schiebetüren-Branche.

 

Stefan Riva ist seit 2003 CEO von Agta Record. Zuvor war er vier Jahre bei Ascom als CEO der Divisionen New Technologies und Telecom Solutions tätig. Riva hat ein Bachelor-Abschluss in Electrical Engineering Science der Fachhochschule beider Basel und ein M.B.A. der Universität Zürich.