Zehn Jahre Finanzkrise

Hildebrand, Ospel und Lehman Brothers - Die besten Videoclips zur Finanzkrise

Lehman-Banker auf der Strasse, Marcel Ospel in Erklärungsnot oder Gelächter über die «Fuselanleihe»: Hier ist die Finanzkrise in bewegten Bildern. Teil II der cash-Serie «Zehn Jahre Finanzkrise».
05.07.2017 13:38
Von Ivo Ruch
Ein Mitarbeiter von Lehman Brothers verlässt nach der Firmenpleite am 15. September 2008 den Hauptsitz in New York.
Ein Mitarbeiter von Lehman Brothers verlässt nach der Firmenpleite am 15. September 2008 den Hauptsitz in New York.
Bild: youtube

Zentrale Figuren tappen im Dunkeln

Ein wichtiger Grund für die Heftigkeit der Finanzkrise war ihre unterschätzte Entwicklung. Weder Wirtschaft noch Politik oder Medien erwarteten, dass sich die Situation auf dem amerikanischen Hypotheken- und Immobilienmarkt zu einer Finanzkrise mit globalen Auswirkungen entwickeln würde. Stellvertretend dafür steht der ehemalige US-Notenbankchef Ben Bernanke. Er bezeichnete den Hypothekenmarkt im Februar 2007 immer noch als "gesund" – ein knappes Jahr später musste die Fed die ersten US-Banken mit Milliarden stützen. 

Marcel Ospel: "Ich bin Teil der Lösung"

Als Marcel Ospel am 10. Dezember 2007 vor die Kamera des Schweizer Fernsehens trat, war bei der UBS bereits einiges in Schieflage: Wegen der Verwicklung in die US-Hypothekenkrise musste die Grossbank milliardenschwere Abschreiber hinnehmen. CEO Peter Wuffli wurde im Juni durch Peter Rohner ersetzt, Finanzchef Clive Standish verliess das Unternehmen.

So wurden auch die Rufe nach einem Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten Ospel immer lauter. Aber dieser war anderer Meinung. "Ich schleiche nicht feige ab durch die Hintertüre. Ich bin Teil der Lösung und bleibe bei der Bank", sagte Ospel im Interview. Im darauffolgenden Frühling hatten sich die Dinge geändert. Auf Druck der Eidgenössischen Bankenkommission (heute Finma) verliess Ospel die UBS, wo er während fast 40 Jahren gearbeitet hatte.

Lehman Brothers geht pleite

Ratlose Gesichter vor dem Hauptsitz von Lehman Brothers in New York. Bankangestellte, die ihr Büromaterial davontragen. "Die Stimmung? Die Leute drinnen rauchen und trinken Bier", sagt einer in die Kameras. Die 158-jährige Investmentbank Lehman Brothers erklärte am 15. September 2008 Insolvenz, nachdem sie sich am amerikanischen Hypothekenmarkt übernommen hatte. Die Pleite kostete tausende Arbeitsplätze und gilt rückblickend als ein Tiefpunkt der Finanzkrise.

Hildebrand: Euro-Limite bei 1,20

Mit Ausnahme des Finanzplatzes wurde die Schweizer Wirtschaft vorerst wenig von der Finanzkrise tangiert. Doch der ohnehin schon starke Schweizer Franken wurde für viele Investoren zum beliebten sicheren Hafen. Mit der Folge, dass der Euro-Franken-Kurs zwischen Oktober 2007 und August 2011 von 1,68 zwischenzeitlich fast auf die Parität fiel. Darunter litten die exportorientierten Wirtschaftszweige.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) – damals noch unter der Führung von Philipp Hildebrand – reagierte am 6. September 2011 mit der Einführung eines Mindestkurses zum Euro. "Die Nationalbank toleriert ab sofort keinen Euro-Franken-Kurs unter 1,20", sagte Hildebrand. Der Euro-Deckel hielt bis am 15. Januar 2015, ehe er von Hildebrands Nachfolger Thomas Jordan aufgehoben wurde. Bis heute kostet die Schwächung des Frankens viel Geld. Die Bilanz der SNB ist mittlerweile grösser als das Bruttoinlandprodukt der Schweiz.

"Whatever it takes"

Die Krise in den Ländern der Euro-Zone ab 2009 gilt zwar als hausgemacht. Doch die US-Finanzkrise hat diese bestimmt beschleunigt und verstärkt. Ausgangspunkt der europäischen Schuldenkrise waren die Finanzprobleme Griechenlands, die im Herbst 2009 offenkundig wurden. Die Folgen: Rettungspakete werden geschnürt, andere Länder geraten ebenfalls in Schieflage, Investoren reagieren teilweise panisch.

An den Finanzmärkten kehrt erst wieder Ruhe ein, als EZB-Präsident Mario Draghi im Juli 2012 in einer Rede sagt, die EZB unternehme "was immer nötig sein wird", um die Euro-Zone vor dem Zerfall zu retten. Die EZB beginnt, in grossem Stil Staatsanleihen von Krisenländern zu kaufen. Heute ist der Euro gegenüber dem Dollar noch weniger wert als vor dieser legendären Rede. Und noch immer kämpfen viele Euro-Länder mit schwerwiegenden Problemen. Ein Fazit über die Wirksamkeit des EZB-Vorgehens wird aber erst in ein paar Jahren möglich sein.

Die Fuselanleihe

Bis heute untersuchen Ökonomen die Mechanismen der Finanzkrise. Die zugrunde liegenden Ursachen sind für viele Beobachter immer noch unverständlich. Auf humoristische Art und Weise hat sich der Comedian und Finanz-Kabarettist Chin Meyer des Themas angenommen. Vom Mechanismus her funktioniert seine Version: Er vergleicht die Ausgabe von Subprime-Hypotheken mit Kneipen in Stadtteilen, wo besonders viele arbeitslose Alkoholiker wohnen. Den Schnaps müssen die Alkoholiker nicht bezahlen, sie können anschreiben lassen. Dann nimmt das Unheil seinen Lauf...

 

Bisher erschienen in der cash-Serie "Zehn Jahre Finanzkrise":

Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann: «Weniger Bankenregulierung wäre verheerend»

Kommentar von Chefredaktor Daniel Hügli: Ist die Finanzkrise tatsächlich vorbei?