Hirslanden übernimmt Bieler Privatklinik Linde - Aevis Victoria geht leer aus

(Abschnitt acht mit der Reaktion der Hirslanden-Gruppe neu eingefügt) - Aevis Victoria muss erneut eine Niederlage in einem Übernahmekampf einstecken: Die Hirslanden-Gruppe gewinnt das Bieterrennen um die Bieler Privatklinik Linde. Der Zürcher Spitalgruppe wurden bis Donnerstag rund 64% der Aktien angedient.
23.06.2017 14:39

Der Verwaltungsrat habe deshalb beschlossen, Hirslanden als neue Mehrheitsaktionärin in das Aktienbuch mit Stimmrecht einzutragen, teilte Linde am Freitag mit. Das Ziel des Verwaltungsrats, eine strategische Kooperation mit einem starken Partner einzugehen, sei mit einem sehr guten Preis für sämtliche Aktionäre erreicht worden.

Mit der nun beschlossenen Integration der Privatklinik Linde in die Hirslanden-Gruppe werde den gestiegenen Herausforderungen im Spitalumfeld Rechnung getragen.

Auch die Aevis-Victoria-Tochter Swiss Medical Network (SMN) wäre ein guter Partner gewesen, wie die Privatklinik weiter schreibt. Weil aber die Hirslanden-Gruppe die Konkurrenzofferte auf 3100 Franken erhöht hat und auch auf die Unterstützung der Belegärzte zählen konnte, hat sich laut Mitteilung eine neue Lage ergeben, die der Verwaltungsrat berücksichtigen musste.

Swiss Medical Network wurde im Bieterkampf bis Donnerstag rund 28% der Aktien angedient, wie es weiter heisst. Damit seien die Bedingungen gemäss Rahmenvertrag zur Eintragung in das Aktienregister von Linde Holding nicht erfüllt worden.

Erleichterung bei Belegärzten

Linde-Belegarzt Alois Lustenberger zeigte sich erleichtert nach dem Entscheid der Aktionäre. Die Belegärzte der Linde-Klinik, welche im Aktionariat die Mehrheit besitzen, hatten sich bereits am Montagabend für eine Konsultativabstimmung getroffen. Dabei sprach sich eine eindeutige Mehrheit für einen Anschluss an die Hirslanden-Gruppe aus.

Lustenberger ist überzeugt, dass diese Abstimmung für das Resultat ausschlaggebend war. So wurde vereinbart, dass auch diejenigen Belegärzte, die sich für SMN ausgesprochen haben, sich aus Solidarität der Mehrheit anschliessen und ihre Aktien ebenfalls der Hirslanden-Gruppe andienen werden.

Das Hauptargument dürfte laut Lustenberger die Stärkung bestehender Kooperationen mit den Hirslanden-Kliniken in Bern gewesen sein. "Zudem ist Hirslanden eine starke Spitalgruppe mit einer klaren Organisation, welche der heutigen Zeit mit sinkende Tarifen und steigenden Kosten gerecht werde", sagte der Belegarzt.

ERNEUTE NIEDERLAGE

Auch die Hirslanden-Gruppe gibt sich erfreut über das Ergebnis. Die Linde verkörpere die strategische Ausrichtung der Gruppe perfekt, teilte die Hirslanden am Freitag mit. Zusammen mit der Privatklinik wolle die Gruppe ihre Marktposition festigen. Zudem soll die Bieler Klinik als das private Zentrumsspital in der Region verankert werden.

Aevis Victoria nimmt das Resultat zur Kenntnis, wie eine Sprecherin der Nachrichtenagentur sda mitteilte. Die Gruppe bedauere es, ihr wirtschaftliches und medizinisches Projekt, das auf einem föderalistischen Modell und der Unabhängigkeit der Ärzte basierte, nicht vorantreiben zu können.

Aevis wünscht der Privatklinik Linde in Zukunft viel Erfolg und gratuliert auch den Ärzten, die solidarisch blieben und sich der Mehrheit angeschlossen haben, wie die Sprecherin weiter schreibt. Im Einvernehmen mit öffentlichen und privaten Akteuren wolle Aevis auch in Zukunft im Espace Mittelland investieren.

Für Aevis Victoria ist dies die zweite Niederlage in einem Überkampf dieses Jahr. Bereits im Bieterrennen um den Telemedizin-Anbieter Lifewatch musste sich das Freiburger Klinik- und Hotelunternehmen Ende Mai geschlagen geben und das Feld dem US-Konzern Biotelemetry überlassen. Mit der Übernahme von Lifewatch wollte Aevis ihr Standbein Telemedizin weiter ausbauen.

(AWP)