Hitziges TV-Duell: Trump geht nach Video-Skandal in die Offensive

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10.10.2016 12:17

ST. LOUIS (awp international) - In einer hitzig geführten TV-Debatte haben sich die beiden US-Präsidentschaftskandidaten gegenseitig mit herben Vorwürfen überzogen. Der Republikaner Donald Trump, zuletzt wegen eines Videos mit sexistischen Äusserungen aus dem Jahr 2005 in die Defensive geraten, forderte sogar eine Haftstrafe für seine Gegnerin wegen ihrer E-Mail-Affäre. Die Demokratin Hillary Clinton bezichtigte Trump ihrerseits mehrmals, falsche Angaben zu machen. "Er lebt in einer parallelen Realität", sagte sie.

Einer Blitzumfrage des Senders CNN zufolge gewann Clinton die zweite von drei Debatten mit 57 Prozent. Trump kam auf 34 Prozent. Die Demokratin schnitt damit fünf Prozentpunkte schlechter ab als im ersten Duell.

Um das am Freitag aufgetauchte Video ging es gleich in der ersten Frage aus dem Publikum. Trump zeigte sich reuig, stritt allerdings ab, sexuelle Übergriffe begangen oder mit solchen angegeben zu haben. In dem Video ist unter anderem zu hören, wie Trump erklärt, als "Star" könne er sich Frauen gegenüber alles erlauben, auch den Griff an ihre Geschlechtsteile. Er hatte sich dafür entschuldigt. "Es ist mir sehr peinlich", sagte der 70-Jährige. Dann erklärte er, es gebe viel wichtigere Dinge, wie etwa den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Seine Äusserungen bezeichnete er als "Umkleidekabinen-Gespräche".

Clinton sagte hingegen, sie seien bezeichnend für Trumps Persönlichkeit. "Jedem, der (das Video) gehört hat, ist klar, dass das genau ausmacht, wer er ist", sagte die 68-Jährige.

Trump war bereits kurz vor dem Duell in die Offensive gegangen und überraschend vor die Medien getreten - mit vier Frauen an seiner Seite, von denen drei den Ehemann der Demokratin und Ex-Präsidenten Bill Clinton sexueller Übergriffe beschuldigen. Die vierte war 1975 als Zwölfjährige nach eigenen Angaben vergewaltigt worden. Hillary Clinton hatte als Anwältin den mutmasslichen Täter vertreten. Die Frauen sassen dann bei der Debatte im "Town-Hall"-Format im Publikum. Dort sagte Trump, Bill Clinton habe sich viel schlimmer verhalten als er. Bei ihm selbst gehe es nur um Worte, bei Clinton um Taten.

Beim Thema Syrien widersprach Trump seinem Vizekandidaten Mike Pence, der Trumps sexistische Aussagen in dem Video scharf kritisiert hatte. Pence hatte in der Debatte der Vizekandidaten am Dienstag gesagt, die USA müssten bereit sein, eine humanitäre Katastrophe in Aleppo mit Militärschlägen gegen das syrische Regime von Baschar al-Assad abzuwenden. Als die Moderatoren Martha Raddatz und Anderson Cooper ihn darauf ansprachen, erklärte Trump: "Er und ich haben nicht mit einander gesprochen, und ich stimme dem nicht zu." Aleppo sei im Grunde bereits gefallen, urteilte er. Über den syrischen Machthaber sagte er: "Ich mag Assad überhaupt nicht, aber Assad tötet den IS."

Der 70-Jährige drohte Clinton ausserdem mit einer neuen Untersuchung zu ihrer Praxis als Aussenministerin, dienstliche E-Mails von einem privaten Server zu versenden. "Ich werde den Generalstaatsanwalt bitten, einen Sonderermittler damit zu beauftragen, diese Sache anzuschauen, weil es nie zuvor so viele Lügen gab, so viel Betrug." Wäre er Präsident, wäre Clinton bereits im Gefängnis, sagte er.

In der Diskussion um die Behandlung von Muslimen in den USA forderte Clinton mehr Toleranz. "Meine Vision von Amerika ist ein Amerika, in dem jeder einen Platz hat." Trump bekräftigte dagegen, dass Muslime vor der Einreise in die USA "extrem" überprüft werden müssten.

Trump gab zu, Schlupflöcher im Steuersystem der USA ausgenutzt zu haben, um keine Bundeseinkommensteuer zahlen zu müssen. Hillary Clinton habe dies als Senatorin in New York selbst ermöglicht. "Die Leute, die ihr all das Geld geben, wollen das so", sagte der Milliardär mit Blick auf Clintons reiche Wahlkampfspender./jot/DP/stb

(AWP)