Hochzeit mit Credit Suisse? Die Szenarien für die Deutsche Bank

Der «Sommerflirt» zwischen der Deutschen Bank und der Commerzbank hat das Fusionsfieber rund um die beiden grössten deutschen Kreditinstitute wieder aufflammen lassen.
04.09.2016 09:45
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt.
Bild: cash

Doch für beide gäbe es im In- und Ausland noch andere Hochzeitskandidaten - unter ganz unterschiedlichen Vorzeichen. Eine Übersicht über denkbare Verbindungen:

DEUTSCHE BANK - COMMERZBANK:

Der Zusammenschluss würde ein Schwergewicht unter den deutschen Privatbanken entstehen lassen, die im internationalen Vergleich geringe Marktanteile haben. Im Geschäft mit gehobenen Privatkunden und in der Finanzierung des Mittelstands wäre eine fusionierte "Deutsche Commerzbank" deutschlandweit führend. Doch beim Personal und im Filialnetz würde die Fusion zu gravierenden Einschnitten führen. Mehr als zehntausende Arbeitsplätze wären in Gefahr, befürchtet Stephan Szukalski, Chef der Gewerkschaft DBV. Er spricht von einem "Mega-Abbauszenario": "Wo die beiden Möchtegern-Partner das Geld für die Rückstellungen im Milliardenbereich für so einen massiven Personalabbau hernehmen wollten, ist mir schleierhaft."

Beide Häuser stecken mitten im Umbau oder stehen kurz davor. Aus zwei schwachen Instituten werde durch einen Zusammenschluss nicht automatisch ein gesundes, warnt BaFin-Präsident Hufeld. Auf der anderen Seite ließen sich durch Fusionen Kosten sparen. Aufsichtsbehörden sehen große Banken kritisch und verlangen von ihnen tendenziell höhere Kapitalpuffer. Auf der anderen Seite wäre ein fusioniertes Institut weniger stark abhängig vom riskanten Investmentbanking als die Deutsche Bank heute.

COMMERZBANK - POSTBANK:

Daraus entstünde die mit Abstand größte Privatkunden-Bank in Deutschland. Die Deutsche Bank will die Postbank mit ihren rund 14 Millionen Kunden ohnehin loswerden - doch der Weg an die Börse scheint zurzeit versperrt. Der Commerzbank, die derzeit auf rund zwölf Millionen Privatkunden kommt, fehlt das Geld, um sich die Postbank leisten zu können. Das Dilemma: In den Büchern der Deutschen Bank steht die Postbank noch mit mehr als vier Milliarden Euro, ein geringerer Verkaufspreis würde zu hohen Abschreibungen führen, die die Kapitaldecke der Deutschen Bank durchlöchern würden. Aber die Commerzbank würde allenfalls gut zwei Milliarden Euro dafür hinlegen wollen und können.

DEUTSCHE BANK - BNP PARIBAS:

Von der Ausrichtung würden das größte deutsche und das größte französische Kreditinstitut gut zueinander passen. Die Franzosen versuchen in Deutschland seit langem stärker Fuß zu fassen, nicht nur im Firmenkundengeschäft, sondern auch mit den Online-Broker Consors. Das Problem: Fänden die Hochzeitsvorbereitungen jetzt statt, drohten sie in die Mühle des Wahlkampfs zu geraten, der in Deutschland und Frankreich im nächsten Jahr stattfindet. Grundsätzlich würde sich die Bundesregierung wohl nicht gegen eine solche Hochzeit sperren, auch wenn bei anderen deutsch-französischen Fusionen (Hoechst/Aventis/Sanofi, EADS) am Ende oft die Franzosen dominierend erschienen.

Auf Augenhöhe wäre die Deutsche Bank derzeit bei weitem nicht: BNP Paribas ist an der Börse 57 Milliarden Euro wert, mehr als das Dreifache der Deutschen Bank. Selbst Frankreichs Nummer zwei Societe Generale ist mit 26 Milliarden Euro schwerer.

DEUTSCHE BANK - CREDIT SUISSE:

"Ein Ding der Unmöglichkeit", wischte Credit-Suisse-Verwaltungsratspräsident Urs Rohner solche Ideen vom Tisch. Die Regulierer würden diese Fusion nie erlauben - sie wollten, dass die Banken eher schrumpften als wüchsen. Die Schweizer sehen das offenbar strenger als die Europäische Zentralbank (EZB), die sich wohl mit höheren Kapitalauflagen begnügen würde. Deutsche Bank und Credit Suisse haben ähnliche Probleme: Beide haben den Umbau nach der Finanzkrise allenfalls halbherzig vollzogen und halten an ihrem Kapitalmarktgeschäft fest. Überlegungen, diese riskanteste Sparte aus beiden Häusern auszugliedern, könnten auch die Regulierer besänftigen. Analysten glauben aber, dass sich beide Häuser erst einmal separat "gesundschrumpfen" müssten, bevor sie - in welcher Form auch immer - ihre Kräfte bündeln könnten.

DEUTSCHE BANK - JP MORGAN:

Einen transatlantischen Zusammenschluss halten die meisten Experten für unwahrscheinlich, aber es gibt unter Analysten und Bankern durchaus Anhänger der Schnäppchenjäger-These: Wer schon immer ein Auge auf die Deutsche Bank geworfen hat, der greift jetzt zu, da das Haus extrem billig ist und sich erste Sanierungserfolge zumindest erahnen lassen, argumentieren einige. Für so einen schnellen Deal kommen nur die großen, gut kapitalisierten Banken von der Wall Street infrage, zum Beispiel JP Morgan. Das größte US-Geldhaus ist ähnlich breit aufgestellt wie die Deutsche Bank: Investmentbanking, Privatkundengeschäft, Vermögensverwaltung. Fusion wäre hier allerdings das falsche Wort - es wäre eine klassische Übernahme nach dem Motto: Die Großen fressen die Kleinen.

(Reuters)