Höhere Mindestlöhne und mehr Mitbestimmung in der Textilindustrie

Die Beschäftigten in der Textil- und Bekleidungsindustrie erhalten einen neuen Gesamtarbeitsvertrag (GAV). Dieser sieht höhere Mindestlöhne, mehr Mitbestimmungsrechte der Mitarbeitenden sowie einen verstärkten Kündigungsschutz für ältere Arbeitnehmende vor.
03.05.2017 11:51

Der neue Gesamtarbeitsvertrag gilt bis 30. Juni 2021 und löst den bisherigen Rahmenvertrag per 1. Juli 2017 ab, wie aus einer Mitteilung der Gewerkschaft Unia hervorgeht. Die Unia hat gemeinsam mit der Gewerkschaft Syna den Vertrag mit dem Arbeitgeberverband Swiss Textiles ausgehandelt.

Gemäss dem neuen GAV werden die Mindestlöhne um bis zu 2,5% erhöht. Zudem gibt es neue Mindestlohnkategorien etwa für Lernende. Diese sind dem GAV neu unterstellt. Im neuen Vertrag werden zudem mehr Mitwirkungsrechte sowie ein Schutz der Personalkommissionen festgeschrieben.

Für Mitarbeitende über 55 Jahren gilt neu ein verstärkter Kündigungsschutz, wie die Unia weiter schreibt. Angestellte ab 58 Jahren werden bei Umstrukturierungen explizit geschützt. Die Firmen sollen notfalls mit Umplatzierungen oder Frühpensionierungen verhindern, dass sie arbeitslos werden. Weiter gibt es auch Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

SPIELRAUM BEI ARBEITSZEITERFASSUNG

Für die Arbeitgeber bietet der GAV umgekehrt die Möglichkeit, gemäss den gesetzlichen Regelungen bestimmte Kategorien von Angestellten von der Pflicht zur Arbeitserfassung auszunehmen, wie Swiss Textiles auf seiner Internetseite mitteilte.

Zudem können die Firmen zur Überwindung von wirtschaftlichen Schwierigkeiten sowie zur Durchführung besonderer Innovationsprojekte für eine maximale Dauer von bis zu 12 Monaten von den arbeitsvertraglichen Bestimmungen abweichen.

Der GAV umfasst laut der Unia fünf Betriebe mit insgesamt 1600 Arbeitnehmenden. Sämtlichen weiteren Mitgliedsfirmen von Swiss Textiles steht es frei, sich dem GAV anzuschliessen.

Die Wertschöpfung der Textil- und der Bekleidungsindustrie in der Schweiz war 2016 um über 5% eingebrochen und betrug noch 908 Mio CHF, wie Swiss Textiles Ende April bekannt gegeben hatte.

Die Textilexporte gingen um 2,9% zurück auf 1,06 Mrd CHF. Die Bekleidungsexporte betrugen noch 720 Mio CHF (-1,4%). Vom Rückgang waren aber nicht alle Produktgruppen betroffen. Besonders bei Nischenprodukten ortete der Verband einen Umschwung.

(AWP)