Hoffnung und Sorge: internationale Reaktionen auf Trumps Sieg

BERLIN/BRÜSSEL/MOSKAU (awp international) - Die Wahl Donald Trumps zum künftigen US-Präsidenten hat international ein vielfältiges Echo ausgelöst. Einige Reaktionen:
09.11.2016 12:02

- DEUTSCHLAND: Die CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt darauf, dass Donald Trump als US-Präsident die Spaltung in der amerikanischen Gesellschaft überwindet. "Vor dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten liegen grosse Aufgaben, insbesondere wenn es darum geht, das Land wieder zusammenzuführen", erklärte CDU-Generalsekretär Peter Tauber am Mittwoch in Berlin.

SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte einen Kurswechsel in Deutschland und Europa, um Populisten das Wasser abzugraben. "Trump ist auch eine Warnung an uns", sagte der Vizekanzler den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Aussenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hofft, dass es "nicht zu grösseren Verwerfungen in der internationalen Politik" kommt. "Wir wissen nicht, wie Donald Trump Amerika regieren wird", sagte Steinmeier. Viele brennende Fragen seien offen. Deshalb werde die Bundesregierung das Gespräch mit dem künftigen Präsidenten suchen.

Der Jubel bei der rechtspopulistischen AfD kannte nach dem Wahlsieg Trumps keine Grenzen. "Dieses Wahlergebnis macht Mut für Deutschland und Europa, denn Trump hat tatsächlich die Karten zur politischen Zeitenwende in der Hand", sagte die Parteivorsitzende Frauke Petry.

- EU: EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker wollen möglichst bald ein Gipfeltreffen mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump organisieren. In einem Glückwunschschreiben an den Republikaner luden sie diesen ein, dazu nach Europa zu kommen. "In diesen Tagen ist es wichtiger denn je, die transatlantischen Beziehungen zu stärken", schreiben sie mit Blick auf den Klimawandel, den Kampf gegen den Terror und die Flüchtlings- und Ukraine-Krise.

- NATO: Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief den künftigen US-Präsidenten Trump auf, das Engagement der Vereinigten Staaten im Bündnis nicht zu reduzieren. "US-Führung ist nach wie vor von grosser Bedeutung", betonte Stoltenberg in einer Glückwunschbotschaft an den Republikaner. "Eine starke Nato ist gut für die Vereinigten Staaten und gut für Europa." Trump hatte sich in seinem Wahlkampf wiederholt kritisch zur Nato geäussert und unter anderem gefragt, warum immer die USA die Führungsrolle übernehmen müssten.

- RUSSLAND: Als einer der ersten Staatschefs weltweit hat Russlands Präsident Wladimir Putin dem US-Wahlsieger Donald Trump gratuliert. Er hoffe, dass es ihnen gemeinsam gelingen werde, die russisch-amerikanischen Beziehungen aus der Krise zu holen, schrieb Putin am Mittwoch in einem Telegramm. Die Beziehungen zwischen den USA und Russland sind derzeit äusserst gespannt. Putin hatte sich während des US-Wahlkampfs lobend über Trump geäussert. Dieser hat bessere Beziehungen zu Moskau angekündigt.

- PALÄSTINENSER: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hofft, dass auch der künftige US-Präsident Donald Trump auf eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt hinarbeiten wird. "Die US-Regierung sollte verstehen, dass Stabilität und Frieden in der Region dadurch erreicht werden, dass eine gerechte Lösung für die palästinensische Sache gefunden wird", sagte Abbas' Sprecher Nabil Abu Rudeineh am Mittwoch.

- ISRAEL: Israels rechts-religiöser Erziehungsminister sieht die Idee eines unabhängigen Palästinenserstaates mit Donald Trump an der Spitze der USA am Ende. "Die Ära eines palästinensischen Staates ist vorbei", teilte Naftali Bennett am Mittwoch mit.

- ÄGYPTEN: Präsident Abdel Fattah al-Sisi gratulierte Trump zu dessen Wahlsieg zum nächsten US-Präsidenten. Ägypten hoffe, dass Trumps Präsidentschaft "einen neuen Geist in die ägyptisch-amerikanischen Beziehungen" bringe, hiess es in einer Erklärung. Die Beziehungen zwischen den USA und Ägypten waren unter dem autoritären Präsidenten und Militär al-Sisi angespannt.

- IRAN: Der Iran will Trump an Taten und nicht an Worten messen. "Wichtiger als die Wahlkampfrhetorik des Kandidaten (Trump) im Wahlkampf ist für uns das Ergebnis seiner Politik", sagte Aussenamtssprecher Bahram Ghassemi laut der Nachrichtenagentur ISNA. Die Terrormiliz IS als gemeinsamer Feind und die jüngsten Entwicklungen in Nahost machten eine Revision der US-Politik gegenüber dem Iran auch für den neuen Präsidenten nötig.

- TÜRKEI: Die Türkei fordert nach dem Sieg des Republikaners Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen. "Ich appelliere von hier aus offen an den neuen Präsidenten, den auf dem Boden der Vereinigten Staaten von Amerika lebenden Fethullah Gülen, umgehend an unser Land auszuliefern", sagte Ministerpräsident Binali Yildirim. Die Türkei macht Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich.

- GROSSBRITANNIEN: Grossbritannien und die USA würden starke und enge Partner bleiben, meinte Premierministerin Theresa May. Sie hoffe, so rasch wie möglich mit Trump über die "besonderen Beziehungen" zwischen beiden Ländern sprechen zu können, hiess es in einer Erklärung. Man habe gemeinsame Werte wie Freiheit, Demokratie und freies Unternehmertum. "Wir sind starke und enge Partner im Handel, in der Sicherheit und in der Verteidigung und werden es bleiben."

ITALIEN: Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi gratulierte Trump zum Wahlsieg und setzt auf stabile Beziehungen mit den USA. "Es ist eine neue politische Tatsache, die zusammen mit anderen zeigt, dass wir in einer neuen Ära sind", sagte Renzi bei einer Veranstaltung in Rom.

- SPANIEN: Aussenminister Alfonso Dastis ist davon überzeugt, dass sich Donald Trump als US-Präsident gemässigter als in den vergangenen Wochen präsentieren wird. "Trump hat im Wahlkampf viele Sachen gesagt, die er als Regierungschef nicht sagen wird", erklärte Dastis in einem Radiointerview. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte: "Wir werden weiter arbeiten, um unsere Beziehungen zu den USA, einem unverzichtbaren Partner, zu stärken."

- ÖSTERREICH: Bundeskanzler Christian Kern sieht eine grosse Frustration in der Gesellschaft als Grund für die Wahl Trumps zum neuen US-Präsidenten. "Wahlergebnisse lügen nicht. Viele Menschen in den Vereinigten Staaten haben das politische System nachhaltig abgelehnt", sagte der Sozialdemokrat Kern im Wiener Parlament.

- INSTITUT DER DEUTSCHEN WIRTSCHAFT (IW): Die Unsicherheit nach Trumps Wahl zum US-Präsidenten wird der deutschen Wirtschaft nach IW-Einschätzung einen Dämpfer versetzen. Vor allem für Investitionen sei Ungewissheit Gift, sagte IW-Direktor Michael Hüther der Deutschen Presse-Agentur./laj/DP/jha

(AWP)