Hoffnung und Sorge: internationale Reaktionen auf Trumps Sieg

Berlin/Brüssel/Moskau (awp/sda/dpa) - Die Wahl Donald Trumps zum künftigen US-Präsidenten hat international ein vielfältiges Echo ausgelöst. Eine Zusammenstellung:
09.11.2016 16:18

- DEUTSCHLAND: Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel hat den gewählten US-Präsidenten Donald Trump indirekt zur Einhaltung demokratischer Grundwerte aufgerufen. "Auf der Basis dieser Werte biete ich dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump, eine enge Zusammenarbeit an", sagte Merkel am Mittwoch in Berlin. Sie gratulierte Trump zu seinem Wahlsieg. Die Kanzlerin äusserte ungewöhnlich deutliche Erwartungen an den künftigen US-Präsidenten. Ausdrücklich verwies sie auf die gemeinsame Wertebasis zwischen Deutschland und den USA und nannte "Demokratie, Freiheit, den Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung". Merkel fügte hinzu, die Partnerschaft mit den USA bleibe ein "Grundstein der deutschen Aussenpolitik". SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte einen Kurswechsel in Deutschland und Europa, um Populisten das Wasser abzugraben. "Trump ist auch eine Warnung an uns", sagte der Vizekanzler in einem Interview. Aussenminister Frank-Walter Steinmeier hofft, dass es "nicht zu grösseren Verwerfungen in der internationalen Politik" kommt. "Wir wissen nicht, wie Donald Trump Amerika regieren wird", sagte Steinmeier. Der Jubel bei der rechtspopulistischen AfD kannte nach dem Wahlsieg Trumps keine Grenzen. "Dieses Wahlergebnis macht Mut für Deutschland und Europa, denn Trump hat tatsächlich die Karten zur politischen Zeitenwende in der Hand", sagte die Parteivorsitzende Frauke Petry.

- EU: EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker wollen möglichst bald ein Gipfeltreffen mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump organisieren. In einem Glückwunschschreiben an den Republikaner luden sie diesen ein, dazu nach Europa zu kommen. "In diesen Tagen ist es wichtiger denn je, die transatlantischen Beziehungen zu stärken", schreiben sie mit Blick auf den Klimawandel, den Kampf gegen den Terror und die Flüchtlings- und Ukraine-Krise.

- NATO: NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg rief den künftigen US-Präsidenten Trump auf, das Engagement der Vereinigten Staaten im Bündnis nicht zu reduzieren. "US-Führung ist nach wie vor von grosser Bedeutung", betonte Stoltenberg in einer Glückwunschbotschaft an den Republikaner. "Eine starke Nato ist gut für die Vereinigten Staaten und gut für Europa." Trump hatte sich in seinem Wahlkampf wiederholt kritisch zur Nato geäussert und unter anderem gefragt, warum immer die USA die Führungsrolle übernehmen müssten.

- RUSSLAND: Als einer der ersten Staatschefs weltweit hat Russlands Präsident Wladimir Putin dem US-Wahlsieger Donald Trump gratuliert. Er hoffe, dass es ihnen gemeinsam gelingen werde, die russisch-amerikanischen Beziehungen aus der Krise zu holen, schrieb Putin am Mittwoch in einem Telegramm. Die Beziehungen zwischen den USA und Russland sind derzeit äusserst gespannt. Putin hatte sich während des US-Wahlkampfs lobend über Trump geäussert. Dieser hat bessere Beziehungen zu Moskau angekündigt. Putin bekräftigte seine Bereitschaft zu einer Annäherung an die USA. "Wir sind uns bewusst, dass es kein leichter Weg wird angesichts des Verfallszustands, in dem sich die Beziehungen zwischen den USA und Russland befinden", sagte Putin im Moskauer Kreml. Aber daran sei nicht Russland schuld, betonte er. "Wir sind bereit, unseren Teil beizutragen, um das russisch-amerikanische Verhältnis auf eine stabile Bahn zu lenken."

- UKRAINE: Der ukrainische Staatschef Petro Poroschenko hofft nach der Wahl von Trump auf weitere militärische Hilfe sowie Unterstützung bei Reformen. Er sei überzeugt, dass die USA weiterhin "im Kampf gegen die russische Aggression der wichtigste und zuverlässigste Partner" sein würden, sagte Poroschenko am Mittwoch in Kiew. "Ich halte es für ein Symbol einer richtigen Demokratie, wenn bis zum letzten Moment niemand das Ergebnis der Wahlen kennt", sagte Poroschenko.

- CHINA: Chinas Präsident Xi Jinping hat dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump zum Wahlsieg gratuliert. Er bot dem Republikaner eine enge Zusammenarbeit an in der Hoffnung, die Beziehungen zwischen China und den USA stärken zu können, wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch berichtete. Zuvor hatte Aussenamtssprecher Lu Kang erklärt, Peking freue sich darauf, gemeinsam mit der neuen US-Regierung eine gesunde Entwicklung der bilateralen Beziehungen zum Wohl beider Völker und der Welt sicherzustellen.

- PALÄSTINENSER: Palästinenserpräsident Mahmud Abbas hofft, dass auch der künftige US-Präsident Donald Trump auf eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt hinarbeiten wird. "Die US-Regierung sollte verstehen, dass Stabilität und Frieden in der Region dadurch erreicht werden, dass eine gerechte Lösung für die palästinensische Sache gefunden wird", sagte Abbas' Sprecher Nabil Abu Rudeineh am Mittwoch.

- ISRAEL: Israels rechts-religiöser Erziehungsminister sieht die Idee eines unabhängigen Palästinenserstaates mit Donald Trump an der Spitze der USA am Ende. "Die Ära eines palästinensischen Staates ist vorbei", teilte Naftali Bennett am Mittwoch mit.

- ÄGYPTEN: Präsident Abdel Fattah al-Sisi gratulierte Trump zu dessen Wahlsieg zum nächsten US-Präsidenten. Ägypten hoffe, dass Trumps Präsidentschaft "einen neuen Geist in die ägyptisch-amerikanischen Beziehungen" bringe, hiess es in einer Erklärung. Die Beziehungen zwischen den USA und Ägypten waren unter dem autoritären Präsidenten und Militär al-Sisi angespannt.

- IRAK: Iraks Ministerpräsident Haidar al-Abadi hofft auch nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten weiter auf amerikanische Unterstützung im Kampf gegen die Terrormiliz IS. Der Irak nehme eine Vorreiterrolle im Kampf gegen den Terrorismus ein, schrieb Abadi am Mittwoch in einer Nachricht an Trump, in der er ihm zum Wahlsieg gratulierte. "Wir hoffen, dass wir von der Welt und den Vereinigten Staaten weiter im Kampf gegen den Terror unterstützt werden", schrieb der irakische Regierungschef. Der Terror sei nicht nur eine Gefahr für sein Land, sondern für die ganze Welt.

- IRAN: Der Iran will Trump an Taten und nicht an Worten messen. "Wichtiger als die Wahlkampfrhetorik des Kandidaten (Trump) im Wahlkampf ist für uns das Ergebnis seiner Politik", sagte Aussenamtssprecher Bahram Ghassemi laut der Nachrichtenagentur ISNA. Die Terrormiliz IS als gemeinsamer Feind und die jüngsten Entwicklungen in Nahost machten eine Revision der US-Politik gegenüber dem Iran auch für den neuen Präsidenten nötig. Laut Staatspräsident Hassan Ruhani wird Trumps Wahlsieg aber keine Auswirkungen auf den Iran haben: Teheran pflege seit dem Atomdeal eine konstruktive Zusammenarbeit mit der Weltgemeinschaft und wolle diese - ungeachtet der neuen Regierung in Washington - genauso fortsetzen, erklärte Ruhani laut dem Präsidialamt.

- SAUDI-ARABIEN: Saudi-Arabiens König Salman bin Abdelasis al-Saud hat Donald Trump zu dessen Wahlsieg bei den US-Präsidentschaftswahlen gratuliert. Er wünsche Trump auch im Namen der saudischen Regierung viel Erfolg bei der Mission, Sicherheit und Stabilität im Nahen Osten und der ganzen Welt zu errichten, zitierte die saudi-arabische staatliche Nachrichtenagentur SPA aus einer Nachricht des Königs an Trump. Darin betonte der Monarch die "historisch tiefen Beziehungen zwischen den beiden befreundeten Ländern".

- TÜRKEI: Die Türkei fordert nach dem Sieg des Republikaners Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA die Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen. "Ich appelliere von hier aus offen an den neuen Präsidenten, den auf dem Boden der Vereinigten Staaten von Amerika lebenden Fethullah Gülen, umgehend an unser Land auszuliefern", sagte Ministerpräsident Binali Yildirim. Die Türkei macht Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli verantwortlich.

- GROSSBRITANNIEN: Grossbritannien und die USA würden starke und enge Partner bleiben, meinte Premierministerin Theresa May. Sie hoffe, so rasch wie möglich mit Trump über die "besonderen Beziehungen" zwischen beiden Ländern sprechen zu können, hiess es in einer Erklärung. Man habe gemeinsame Werte wie Freiheit, Demokratie und freies Unternehmertum. "Wir sind starke und enge Partner im Handel, in der Sicherheit und in der Verteidigung und werden es bleiben." Aussenminister Boris Johnson schrieb auf Twitter: "Glückwünsche an Donald Trump, freue mich sehr auf die Zusammenarbeit mit seiner Regierung für weltweite Stabilität und Wohlstand."

- KANADA: Kanadas Premierminister Justin Trudeau hat Donald Trump zu dessen überraschendem Wahlsieg gratuliert. "Kanada hat keinen engeren Freund, Partner und Verbündeten als die Vereinigten Staaten", teilte Trudeau mit. "Wir freuen uns darauf, in den kommenden Jahren mit dem designierten Präsidenten Trump (...)."

- MEXIKO: Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto erklärte sich ebenfalls zur Zusammenarbeit mit Trump bereit, denn beide Länder seien "Freunde". Trump will entlang der Grenze zu Mexiko eine Mauer errichten und das Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada (Nafta) neu verhandeln.

- ITALIEN: Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi gratulierte Trump zum Wahlsieg und setzt auf stabile Beziehungen mit den USA. "Es ist eine neue politische Tatsache, die zusammen mit anderen zeigt, dass wir in einer neuen Ära sind", sagte Renzi bei einer Veranstaltung in Rom.

- SPANIEN: Aussenminister Alfonso Dastis ist davon überzeugt, dass sich Donald Trump als US-Präsident gemässigter als in den vergangenen Wochen präsentieren wird. "Trump hat im Wahlkampf viele Sachen gesagt, die er als Regierungschef nicht sagen wird", erklärte Dastis in einem Radiointerview. Spaniens Ministerpräsident Mariano Rajoy sagte: "Wir werden weiter arbeiten, um unsere Beziehungen zu den USA, einem unverzichtbaren Partner, zu stärken."

- ÖSTERREICH: Bundeskanzler Christian Kern sieht eine grosse Frustration in der Gesellschaft als Grund für die Wahl Trumps zum neuen US-Präsidenten. "Wahlergebnisse lügen nicht. Viele Menschen in den Vereinigten Staaten haben das politische System nachhaltig abgelehnt", sagte der Sozialdemokrat Kern im Wiener Parlament.

Die EU muss nach Ansicht von Österreichs Aussenminister Sebastian Kurz (ÖVP) auf die US-Wahl mit einer Profilierung ihrer Aussenpolitik reagieren. Wichtig sei, dass die EU künftig im besonderen Mass eine eigenständige europäische Politik ohne Vorabsprachen mit Washington formuliere, sagte Kurz der Nachrichtenagentur dpa.

- TSCHECHIEN: Der tschechische Präsident Milos Zeman hat Donald Trump zum Sieg gratuliert, den er bereits während des US-Präsidentschaftswahlkampfs öffentlich favorisiert hatte. "Ich stimme mit seinen Ansichten zur Migration und dem Kampf gegen den islamischen Terrorismus überein", sagte der 72-Jährige am Mittwoch in einem im Fernsehen übertragenen Statement. Zeman lobte Trumps Auftreten als klar und verständlich sowie "frei von politischer Korrektheit mit ihren nichtssagenden Phrasen". Die Wahl habe "den Willen des amerikanischen Volkes verdeutlicht, sich nicht von den Massenmedien manipulieren zu lassen".

- VATIKAN: Der Vatikan hat Donald Trump zum Wahlsieg gratuliert und zu einer Arbeit für den Frieden aufgerufen. Die Wahl des amerikanischen Volkes sei zu respektieren, sagte Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin am Mittwoch Radio Vatikan. Man werde die Regierung von Trump ins Gebet einschliessen, damit "Gott ihn erleuchte" und ihn beim Dienst für das Volk aber auch für den Weltfrieden unterstütze. "Heute müssen alle zusammenarbeiten, um die Lage der Welt, die eine der Zerrissenheit und des tiefen Konflikts ist, zu überwinden."

- INDIEN: Indiens Premierminister Narendra Modi hat sich in einer Botschaft beim künftigen US-Präsidenten Donald Trump für dessen Botschaften während des Wahlkampfes bedankt. "Wir wissen die Freundschaft gegenüber Indien zu schätzen, die Sie während Ihrer Kampagne zum Ausdruck gebracht haben", so Modi. "Wir freuen uns, eng mit Ihnen zusammenzuarbeiten, um die bilaterale Verbindung zwischen den USA und Indien zu neuen Höhen zu führen." Während einer Veranstaltung vor US-indischen Wählern im Oktober hatte Trump Modi gelobt und versprochen, dass Indien und die USA mit ihm als Präsident "beste Freunde" werden würden.

- PHILIPPINEN: Die Regierung auf den Philippinen freut sich auf eine Zusammenarbeit mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Präsident Rodrigo Duterte wünsche Trump Erfolg in den kommenden vier Amtsjahren und hoffe auf bessere Beziehungen zwischen den Philippinen und den USA auf der Basis von "gegenseitigem Respekt" sowie "einer gemeinsamen Bekenntnis zu demokratischen Idealen und Rechtsstaatlichkeit", sagte Regierungssprecher Martin Andanar .

(AWP)