Hohe Inflation und Peso-Verfall - Argentinien taumelt in die nächste Wirtschaftskrise

Mehr als 200 Milliarden Dollar Schulden im Ausland, eine sehr hohe Inflation und ein dramatischer Wertverfall des Peso: Für Argentinien kommt es derzeit knüppeldick.
31.08.2018 16:35
Eine lange Dürre in Argentinien liess im Frühjahr die Agrarproduktion und damit die Exporterlöse einbrechen.
Eine lange Dürre in Argentinien liess im Frühjahr die Agrarproduktion und damit die Exporterlöse einbrechen.
Bild: Bloomberg

Das Land hat den Internationalen Währungsfonds (IWF) gebeten, aus dem erst vor kurzem bewilligten Hilfsprogramm über rund 50 Milliarden Dollar Auszahlungen vorzuziehen. Parallel ist die Regierung in Buenos Aires dabei, ihre Spar- und Reformpläne auszuweiten. Das aber birgt das Risiko, dass die ohnehin fragile innenpolitische Lage in dem südamerikanischen Land noch instabiler wird.

Noch Anfang des Jahres war die Lage anders. "Der wirtschaftliche und politische Horizont in Argentinien klart auf", hiess es damals von der deutschen Investitionsagentur GTAI. "Nach dem Wahlsieg der Regierung bei den Parlamentswahlen im Oktober 2017 bestehen gute Chancen für die Kontinuität der marktfreundlichen Reformpolitik von Präsident Mauricio Macri. Der Konjunkturaufschwung gewinnt an Kraft."

Die Wende kam mit der Dürre

Hinzu kam Prestige mit der Präsidentschaft der einflussreichen G20-Gruppe der führenden Industrie- und Schwellenländer, die Argentinien in diesem Jahr innehat. Warnungen von Ökonomen wegen der hohen Auslandsverschuldung, Hauhaltsdefiziten oberhalb von 6 Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung und der Abhängigkeit von Kapitalzuflüssen aus dem Ausland traten in den Hintergrund. Dabei ist die letzte grosse Krise des Landes, als der Staat 2001 pleite war und seine Gläubiger nicht mehr bedienen konnte, noch in Erinnerung.

Laut IWF drehte der Wind im April. Eine andauernde Dürre liess die Agrarproduktion und somit Exporterlöse einbrechen. Die Energiepreise zogen an. Einherging das mit ungünstigeren Finanzierungsbedingungen in der Welt - denn in den USA steigen die Zinsen wieder und der Dollar hat aufgewertet. Hinzu kam die radikale Steuerreform von US-Präsident Donald Trump, die Kapital in Richtung der Vereinigten Staaten lockt und damit weg von Schwellenländern. Das spürt nicht nur Argentinien, sondern auch die Türkei, Indien und Südafrika. Im Falle Argentiniens kommt ein hoher Finanzierungsbedarf hinzu. Die Folge: Die Landeswährung büsste 2018 bisher rund 54 Prozent an Wert ein, die Regierung muss Anlegern deutlich mehr Zinsen zahlen, um an Kapital zu kommen.

Was macht der IWF jetzt?

Dabei würdigen viele Experten wie IWF-Chefin Christine Lagarde den Reformkurs in den vergangenen zweieinhalb Jahren - mit Änderungen in der Währungs-, Subventions- und Steuerpolitik. "Die von den Behörden betriebene Politik versucht, langbestehende Verwundbarkeiten anzugehen, für Nachhaltigkeit bei den Schulden zu sorgen, die Inflation zu reduzieren sowie Wachstum und neue Jobs zu fördern, um so die Armut zu senken", sagte sie im Juni. Doch die Finanzmärkte überzeugte das nicht. Ein Ausverkauf war die Folge.

Jetzt richtet sich der Blick noch stärker auf den IWF. Der Fonds gewährte der drittgrössten Volkswirtschaft Lateinamerikas Mitte des Jahres ein Hilfspaket von 50 Milliarden Dollar - kurzfristig gezahlt wurden bereits 15 Milliarden davon. Der IWF hat Argentinien inzwischen seine volle Unterstützung zugesagt. Der Fonds sei überzeugt, dass das lateinamerikanische Land dank des starken Engagements der argentinischen Behörden seine Schwierigkeiten überwinden werde, sagte Sprecher Gerry Rice am Freitag.

IWF-Chefin Christine Lagarde und der argentinische Finanzminister Nicolas Dujovne wollen sich am Dienstag treffen, um die Gespräche über eine vorzeitige Auszahlung der milliardenschweren Finanzhilfen voranzubringen.

(Reuters)