Hypo Alpe Adria: Neues Angebot an Gläubiger vorgelegt

(Ausführliche Fassung)
06.09.2016 14:56

WIEN (awp international) - Der milliardenschwere Streit rund um die Skandalbank Hypo Alpe Adria zwischen Österreich und deutschen Finanzinstituten geht womöglich in die letzte Runde. Am Dienstag wurde den Gläubigern ein verbessertes Rückkauf-Angebot vorgelegt. Die österreichische Regierung versucht so, einen jahrelangen kostenintensiven Rechtsstreit zu verhindern. Die Annahmefrist läuft bis zum 7. Oktober. Eine ausreichende Zahl an Gläubigern habe für die Grundsatzeinigung vom Mai bereits Zustimmung signalisiert, hiess es aus Wien.

Für Klaus Wiener vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) enthält der neue Vorschlag aber nicht die erhofften Verbesserungen. "Es bleibt daher abzuwarten, ob die für eine Annahme des Angebots erforderlichen Mehrheiten zustande kommen", hiess es in einer Stellungnahme. Der Verlust von ausgefallenen Zinszahlungen werde etwa nicht berücksichtigt, so Wiener. Österreich hatte am 1. März 2015 einen gesetzlich verordneten Zahlungsstopp für alle Zinszahlungen verhängt. Ausserdem streckte die Regierung die Fälligkeit aller Anleihen bis Ende 2023.

Von der Entscheidung betroffen sind etwa die Commerzbank , die Hypovereinsbank, die Allianz, der Rückversicherer MunichRe und die NordLB. Aussen vor ist die BayernLB, die von 2007 bis 2009 Besitzer der Krisenbank war. Nach jahrelangen Auseinandersetzungen hatte Bayern im vergangenen November einen Vergleich über gut 1,2 Milliarden Euro mit dem Nachbarland geschlossen.

Der neue Deal, der offiziell vonseiten des österreichischen Bundeslandes Kärnten vorgelegt wurde, sieht eine Rückzahlung von 90 Prozent der investierten Gelder vor. Deutsche Banken und Versicherungen hatten nach der Pleite der Hypo Alpe Adria sowie einem Schuldenschnitt um rund sieben Milliarden Euro gebangt. Insgesamt geht es um offene Forderungen im Wert von elf Milliarden Euro. Die EU-Kommission hatte den Deal vergangene Woche abgesegnet.

Ein erstes Rückkaufangebot des Landes in Höhe von 75 Prozent der Gelder hatten die Gläubiger im März noch abgelehnt. Im Mai wurde die Offerte nachgebessert.

Kärnten hatte jahrelang den Expansionskurs der Hypo Alpe Adria mit landesbehafteten Anleihen in Höhe von elf Milliarden Euro unterstützt. Dabei verspekulierte sich die Bank auf dem Balkan und wurde 2009 verstaatlicht. Das Geld für die Gläubiger soll nun zum Teil durch die Abwicklung der Hypo-Abbaugesellschaft namens Heta kommen. Den Rest müssen das Bundesland Kärnten und der Bund stemmen./saw/DP/stb

(AWP)