Hypotheken Schweiz - Hypozinsen auf tiefstem Stand seit Trump-Wahl

Die Inflation kehrt in vielen Ländern zurück, das Umfeld deutet auf ansteigende Zinsen hin. Wieso aber sinken dann in der Schweiz die Hypothekarzinsen?
03.03.2017 11:00
Von Pascal Züger
Neue Wohnungen entstehen: Ein Mehrfamilienhaus im Bau.
Neue Wohnungen entstehen: Ein Mehrfamilienhaus im Bau.
Bild: pixabay.com

In dieser Woche sind die durchschnittlichen Zinsen der zehnjährigen Hypotheken auf 1,48 Prozent gefallen. Das ist so tief wie seit der US-Präsidentschaftswahl am 8. November 2016 nicht mehr. Die Wahl Donald Trumps hatte die Kosten für einen Hauskredit von 1,4 auf 1,5 Prozent ansteigen lassen. Anfang Februar dieses Jahres war der Schnitt gar bis auf 1,59 Prozent hochgeklettert, wie Daten auf hypotheken-versteigerung.ch zeigen.

Was sich nach kleinen Nuancen hinter dem Komma anhört, kann für Immobilienbesitzer richtig ins Geld gehen: Hochgerechnet auf die ganze Laufzeit von zehn Jahren zahlt man bei einer Hypothek von 1 Millionen Franken Stand heute 11‘000 Franken weniger als noch vor einem Monat.

Tiefere Hypozinsen haben einen bestimmten Grund

Doch wieso kam jetzt plötzlich wieder der Rutsch nach unten, nachdem der Trend in die andere Richtung deutete? "Die anstehende Präsidentschaftswahl in Frankreich sorgt für Unsicherheiten", sieht Claudio Saputelli, Leiter UBS Immobilien-Research, einen klaren Grund für diese Entwicklung. Auch die Schweizerische Nationalbank (SNB) hätte stark interveniert, um gegen einen stärkeren Franken anzukämpfen.

Simpel ausgedrückt gilt für den Hypothekarmarkt folgende Regel: Steigende Hypozinsen bedeuten Zuversicht am Markt, sinkende das Gegenteil. Hypothekarzinsen orientieren sich immer auch am Anleihenmarkt. Auch die Renditen für zehnjährige Schweizer Bundesobligationen steigen im November und Dezember an. Seit Anfang Februar ist die Tendenz wieder eindeutig sinkend.

Die Unsicherheiten, die Saputelli anspricht, betreffen derzeit konkret eine mögliche Wahl Marine Le Pens als neue Präsidentin von Frankreich. Der Präsidentin der rechtsextremen Partei Front Nationale - welche möglichst schnell aus der Eurozone und EU austreten möchte - werden gute Chancen vorausgesagt, zumindest den ersten Wahlgang am 23. April für sich zu entscheiden. Bei der Stichwahl am 7. Mai gilt sie allerdings nicht als Top-Favoritin.

Solange diese Unsicherheit weiter im Markt herumgeistert, dürfte auch kein Anstieg der Hypozinsen anstehen. Doch nach der Frankreich-Wahl könnte Bewegung ins Spiel kommen: "Bei einer Nicht-Wahl Le Pens kann es wieder zu leicht steigenden Hypothekarzinsen kommen. Denn die ökonomischen Fundamentaldaten deuten auf eine Erholung hin", so Saputelli.

Grosse Bewegungen noch nicht in Sicht

Zwar wirken sich solche Zinsanstiege wie eingangs gesehen auf einzelne Hausbesitzer aus, doch sind es im historischen Vergleich noch immer höchstens kleinere Volatilitäten. Als Vergleich: Im Jahr 2011 waren die langfristigen Hypozinsen noch bei 3 Prozent. Dies ist von den heutigen Ständen Welten entfernt.

Damit die Hypothekarzinsen deutlicher steigen, bräuchte es ein Ende der Negativzins-Politik der SNB. Davon werden die Nationalbank-Direktoren um Präsident Thomas Jordan derzeit jedoch noch nicht abrücken, zu gross sind derzeit die (vor allem politischen) Risiken.

Aber: Die globalen Wachstumsaussichten beginnen sich etwas aufzuhellen. In den USA steigen die Zinsen immer weiter an und auch in der Eurozone deutet sich langsam ein Ende der lockeren Geldpolitik an. UBS VR-Präsident Axel Weber sagte jüngst, dass die Negativzinsen in der Schweiz 2018 ein Ende finden könnten (cash berichtete).  Das würde gleichzeitig auch die Hypotheken deutlich verteuern.