Ifo-Chef fordert härtere Kapitalvorgaben für EU-Banken

Für Ifo-Chef Clemens Fuest ist die schwache Kapitalausstattung europäischer Banken ein Hemmschuh der Eurozonen-Wirtschaft.
31.10.2016 06:53
Ifo-Chef Clemens Fuest.
Ifo-Chef Clemens Fuest.
Bild: cash

"Die Politik hat einen schweren Fehler gemacht nach der Finanzkrise: Man hätte die Regulierung in Detailbereichen geringer halten sollen und dafür bei der Kapitalregulierung deutlich härter vorgehen müssen", sagte Fuest, seit April Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Die Kapitalvorsorge der europäischen Banken ist nach wie vor unzureichend", sagte der Ökonom. "In Italien gibt es Probleme, in Portugal haben wir Riesenbestände an faulen Krediten. Es gibt in beiden Ländern ja auch Rückstellungen dafür, aber es bestehen Zweifel, ob die reichen."

Konkret schweben Fuest höhere Sicherheitspolster an Eigenkapital bei den Banken vor. "In der Bankenunion haben wir uns auf eine Mindesthaftung privater Gläubiger von 8 Prozent der Bilanzsumme geeinigt", sagte Fuest. "Wenn wir das als Massstab für die Verschuldungsquote, die sogenannte Leverage Ratio, angestrebt hätten, dann würde bei Banken auch nicht gleich eine Krise entstehen, wenn mal eine unerwartet hohe Strafe kommt oder faule Kredite in der Bilanz auftauchen."

Die Leverage Ratio setzt das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme - ist die Quote höher, dann gilt das als besserer Schutz gegen Bankenschieflagen bei Verlusten. Das grösste deutsche Geldhaus, die Deutsche Bank , hatte Mitte des Jahres eine Leverage Ratio von 3,4 Prozent. Bis Ende 2018 soll dieses Mass auf 4,5 Prozent klettern.

(AWP)