IfW-Präsident - «Der Schatten von Autozöllen schwebt drohend über uns»

Die Verunsicherung durch die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump ist nach Einschätzung des Ökonomen Gabriel Felbermayr aktuell das grösste Risiko für die Weltkonjunktur.
16.06.2019 15:05
Autos aus deutscher Produktion stehen zum Verkauf bereit.
Autos aus deutscher Produktion stehen zum Verkauf bereit.
Bild: Pixabax.com

"Das Hauptproblem ist die Unsicherheit, die Trump schafft. Man weiss nicht, welches Land demnächst in sein Visier gerät", sagte Felbermayr knapp ein Jahr, nachdem Trump erstmals Strafzölle gegen China verhängt hatte.

"Dieser Schaden ist schwerer zu fassen, aber wahrscheinlich deutlich grösser als der, der tatsächlich durch Zölle verursacht wird", sagte der Ökonom der Deutschen Presse-Agentur.

Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW/Kiel) schätzt den Schaden für den Welthandel durch Zölle langfristig auf rund 90 Milliarden Euro jährlich, sollten die Abgaben zwischen China und USA dauerhaft auf dem jetzigen Niveau bleiben. "Angesichts eines Welthandelsvolumens von 15 Billionen Euro ist das vergleichsweise wenig."

Problematisch ist aus Sicht Felbermayrs vor allem die wachsende Unsicherheit auch in Europa. "Verunsicherte Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, Verbraucher verschieben möglicherweise Anschaffungen." Hinzu komme: "Der Schatten von Autozöllen schwebt nach wie vor drohend über uns und führt schon jetzt zu ökonomischen Schäden." Trump hatte die Entscheidung über die Einführung angedrohter Sonderzölle auf Auto-Einfuhren aus der EU und Japan Mitte Mai für ein halbes Jahr aufgeschoben.

Sollte Trump seine Drohungen wahr machen, schätzt Felbermayr den langfristigen Schaden für das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf fünf bis sechs Milliarden Euro jährlich. "In der Autobranche dürften es sieben bis acht Milliarden Euro sein", sagte der Ökonom.

Europa empfahl Felbermayr, "sich schützend vor die Welthandelsorganisation WTO und die grosse Gruppe der Länder zu stellen, die potenziell verlieren würden, sollte der Konflikt zwischen USA und China weiter eskalieren". Europa sollte mit anderen WTO-Ländern eine Koalition bilden. "In der Summe ist Europa mit ihnen viel grösser als die USA und China. Damit hätte man eine Gegenmasse, mit der man auch verhandeln kann."

(AWP)