Im Kanton St. Gallen sollen 31 von 72 Poststellen aufgehoben werden

Im Kanton St. Gallen gibt es aktuell noch 72 Poststellen. Davon wird der Weiterbetrieb von 41 Filialen bis 2020 garantiert. 31 Poststellen sollen hingegen geschlossen und wenn möglich durch eine Postagentur ersetzt werden.
20.06.2017 11:57

Die Post hat in den letzten Wochen die Ergebnisse der Restrukturierung ihres Filialnetzes tranchenweise bekanntgegeben. Am Dienstag war der Kanton St. Gallen an der Reihe. Das Ergebnis: Knapp die Hälfte der Poststellen soll geschlossen werden. Konkret steht bei 31 der aktuell 72 Filialen eine Einzelfallprüfung an.

Er wolle nichts beschönigen, erklärte Thomas Baur, Leiter Poststellen und Verkauf bei der Post, gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Bei den nun folgenden Gesprächen mit den Gemeinden zu den 31 zu überprüfenden Filialen gehe es vor allem noch um die Modalitäten der geplanten Aufhebung.

Diskutiert werde etwa darüber, ob es einen Partner für eine Postagentur gebe und ob noch bauliche Fragen geklärt werden müssten. Spielraum gebe es etwa auch beim Zeitpunkt der Schliessung. Baur betonte, es müsse eine Lösung vor Ort gefunden werden, ersatzlose Schliessungen solle es nicht geben.

GESPRÄCHE MIT DEM VOLKSWIRTSCHAFTSDIREKTOR

Die Post hatte ihr Filialnetz zuerst aufgrund von eigenen Kriterien durchforstet. Dabei galt, dass es in den Kantons- oder Bezirkshauptstädten weiterhin eine Filiale geben müsse. Generell sei man in Städten vom Verhältnis von einer Poststelle auf 20'000 Einwohner ausgegangen. Massgebend seien auch Umsätze oder die Kundenfrequenz gewesen. Danach wurden geografische Lücken in ländlichen Regionen geschlossen.

Über dieses erste Ergebnis habe es danach Gespräche mit den jeweiligen Kantonen gegeben. Ansprechpersonen waren jeweils die Volkswirtschafsdirektoren. Aufgrund von raumplanerischen Einwänden oder von Annahmen über die Bevölkerungsentwicklung sei die Liste nochmals überarbeitet und ein zweites Mal diskutiert worden.

UNTERWASSER UND EBNAT-KAPPEL BLEIBEN

Dabei gab es auch Änderungen: Im Kanton St. Gallen sei eine garantierte Poststelle in Unterwasser zuerst nicht vorgesehen gewesen. Wenn man die örtliche Situation im Obertoggenburg nicht kenne, habe dies nicht eingeleuchtet, so Baur. Das gleiche gilt für die Poststelle in Ebnat-Kappel.

Waren sich Kanton St. Gallen und Post am Schluss einig? Generell sei man in den Gesprächen auf viel Verständnis gestossen, erklärte Baur. Schliesslich habe sich das Kundenverhalten stark verändert und die Post müsse darauf reagieren. Beide Seiten seien nach den beiden Gesprächsrunden der Meinung gewesen, dass "ein ausgewogenes Ergebnis erzielt wurde".

Die Post kündigte am Dienstag nicht nur Schliessungen an oder garantierte die Weiterführung von 41 Poststellen: An Orten, an denen es eine Agenturlösung gebe, werde ab September 2017 die Möglichkeit für Barzahlungen an der Haustür angeboten. Weiter will die Post abonnierte Tageszeitungen in Gegenden ohne Frühzustellung bis Mittag verteilen. Für KMU soll eine neue Lösung für die Aufgabe und Abholung von Sendungen angeboten werden.

KRITIK DER GEWERKSCHAFT

In einem Communiqué kritisierte die Gewerkschaft Syndicom am Dienstag die geplanten Schliessungen im Kanton St. Gallen. Die Post ignoriere unter anderem eine Motion, die der Nationalrat kürzlich überwiesen habe. Darin wird "eine Überarbeitung der Erreichbarkeitskriterien für Postdienstleistungen" verlangt. Die Kantone und Gemeinden seien gut beraten, "sich vehement gegen den Abbau zur Wehr zu setzen".

(AWP)