Im Thurgau droht jeder dritten Post die Schliessung

Jede dritte Poststelle im Kanton Thurgau soll in den nächsten zwei Jahren geschlossen werden. Nun ruft die Gewerkschaft syndicom die Gemeinde- und Kantonsbehörden auf, weitere Verhandlungen mit der Post zu boykottieren.
16.06.2017 12:54

Wie die Post am Freitag mitteilte, ist der Fortbestand von 23 Poststellen im Thurgau bis im Jahr 2020 garantiert. 10 Poststellen sollen "überprüft" werden, was gemäss der Gewerkschaft syndicom eine Schliessung bedeute. Die beiden Poststellen in Berg und Matzingen werden in den nächsten Monaten geschlossen, wie die Post mitteilte.

Anstelle der 12 von der Schliessung betroffenen Poststellen will die Post Partnerfilialen gewinnen. Diese hätten den Vorteil, dass sie länger geöffnet seien, heisst es im Communiqué. Zudem wolle die Post im Thurgau den Ausbau von 14 "Zugangsmöglichkeiten" vorantreiben. Sie prüfe Zugangspunkte für Geschäftskunden, Aufgabe- und Abholstellen wie auch die Platzierung von Post-Automaten entlang der Mobilitätsströme im Kanton.

Die Gewerkschaft syndicom kritisiert die Pläne der Post. Von den 35 Poststellen sollen 12 geschlossen werden, zwei seien bereits im Schliessungsprozess und zwei weitere Poststellen (Dussnang und Bichelsee-Balterswil) seien seit Oktober 2016 geschlossen. Damit verliere der Thurgau mehr als einen Drittel der Poststellen. Die von der Post vorgeschlagenen Zugangsmöglichkeiten seien keine echten Alternativen, weil sie jeweils nur einen einzigen oder ganz wenige Services anbieten.

BEHÖRDEN SOLLEN SICH WEHREN

Die Ankündigung der Post komme nur zwei Wochen, nachdem der Nationalrat sich klar gegen den aktuellen Abbau ausgesprochen habe. "Offensichtlich schert sich die Postführung nicht einen Deut um den Willen der Politik." Solange der Bundesrat sich nicht wehre, seien Gemeinde und Kantone aufgerufen, sich vehement gegen den Abbau zu wehren. Die Gespräche mit der Post sollten erst dann weitergeführt werden, wenn das Postgesetz revidiert worden sei, teilte die Gewerkschaft mit.

Der Nationalrat hatte Ende Mai mehrere Motionen zur Post angenommen. Eine davon verlangt, dass die Kriterien für die Erreichbarkeit künftig auf regionaler Ebene festgelegt werden. Heute müssen im landesweiten Durchschnitt 90 Prozent der Bevölkerung Post-Dienstleistungen innerhalb von 20 Minuten zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr erreichen können. Der Nationalrat verlangt auch, dass Dienstleistungen des Zahlungsverkehrs ebenso gut erreichbar sein müssen wie Postdienstleistungen.

(AWP)