Immer mehr Lärmgeplagte rund um den Flughafen Zürich

Zürich (awp/sda) - Der Fluglärm rund um den Flughafen Zürich macht immer mehr Menschen zu schaffen. Im letzten Jahr gab es gemäss dem neusten Zürcher Fluglärm-Index (ZFI) 61'916 Lärmgeplagte. Der Richtwert wurde damit um fast 15'000 Personen überschritten.
16.12.2016 18:52

Von den 61'916 Personen fühlten sich 37'726 tagsüber stark belästigt, 24'190 nachts. Dies geht aus dem am Freitag veröffentlichten Flughafenbericht 2016 hervor.

Die darin publizierten Daten beziehen sich auf das Jahr 2015. Der ZFI sieht vor, dass höchstens 47'000 Personen durch Fluglärm stark gestört werden dürfen.

Wird der ZFI-Richtwert überschritten, müssen Massnahmen ergriffen werden. So werden etwas auf Kosten des Flughafens Fenster mit einem Schliessmechanismus versehen.

ZU VIELE NACHTFLÜGE

Am Flughafen Zürich gilt eine siebenstündige Nachtflugsperre zwischen 23 und 6 Uhr. Zwischen 23 und 23.30 Uhr können jedoch bewilligungsfrei Verspätungen abgebaut werden. 2015 waren dies 2200 Flüge. Hier sieht auch Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) noch Verbesserungspotenzial, wie sie vor den Medien ausführte.

Die Flughafenpartner wollen Massnahmen entwickeln, dass Flüge, die planmässig vor 23 Uhr stattfinden sollten, in der Tat auch vor 23 Uhr starten. Bisher sei dies oft nicht möglich, weil Anschlusspassagiere abgewartet werden müssen, hiess es an der Medienkonferenz.

Bewilligungen braucht es für die Zeit nach 23.30 Uhr. Die Flughafen Zürich AG hat im vergangenen Jahr 238 solcher Einzelbewilligungen erteilt. Darunter fallen auch Ambulanz- und Messflüge. Das kantonale Amt für Verkehr hat deren drei dem Bund gemeldet, die seiner Meinung nach nicht hätten bewilligt werden dürfen.

Die Gesamtzahl der Starts und Landungen bewegte sich mit rund 265'000 im vorgesehenen Rahmen. Das Flughafengesetz erlaubt maximal 320'000 Flugbewegungen.

ZIELKONFLIKT NICHT ZU VERMEIDEN

Dass immer mehr Menschen unter dem Fluglärm leiden, liegt insbesondere daran, dass immer mehr in der Flughafenregion wohnen. Diese Siedlungsentwicklung sei von Regierung und Parlament des Kantons Zürich gewollt, sagte Walker Späh. Ein politischer Zielkonflikt sei vorprogrammiert und lasse sich nicht vermeiden.

Sie gab zu bedenken, dass von der gesamten Kantonsbevölkerung lediglich vier Prozent ZFI-Betroffene seien. "Diese nehmen wir sehr ernst", sagte sie. Aber man dürfe auch alle andern nicht vergessen.

Walker Späh hob einmal mehr die volkswirtschaftliche Bedeutung des Flughafens hervor. Zudem ist der Kanton Zürich Hauptaktionär der Flughafen Zürich AG folglich daran interessiert, dass es dem Flughafen wirtschaftlich gut geht.

In einer Eigentümerstrategie hat der Regierungsrat für die Flughafen AG Ziele in den Bereichen Beziehungspflege, Umweltschutz, Unternehmensführung sowie Verkehrs- und volkswirtschaftliche Beudeutung formuliert. Diese Ziele seien weitgehend erreicht worden. Verbesserungsfähig seien noch die Pünktlichkeit sowie die Anzahl Flüge nach 23 Uhr, bilanzierte Walker Späh.

cp/

(AWP)