Impressum fordert erneut direkte staatliche Medienförderung

In einer Resolution des Journalistenverbands Impressum bedauern Medienschaffende den "Verlust an journalistischer Vielfalt", der durch die Reorganisation von Tamedia bevorstehe. Der Verband ruft in diesem Zusammenhang erneut zu einer direkten Presseförderung durch den Staat auf.
05.09.2017 17:15

Die Resolution wurde am vergangenen Freitag an einer ausserordentlichen Delegiertenversammlung verabschiedet, wie Impressum am Dienstag mitteilte. Die Delegierten aus der ganzen Schweiz kritisieren darin die vor knapp zwei Wochen angekündigte Reorganisation von Tamedia. Sie sieht die Konzentration auf je eine Grossredaktion für die Deutschschweiz und die Romandie vor, ergänzt durch Kompetenzzentren.

Eine solche Zentralisierung bedeute eine massive Reduktion der Pressevielfalt, da das Einzugsgebiet mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung umfasse, heisst es in dem Papier weiter. Verantwortet werde dies von einem Unternehmen, das beispiellose Gewinne ausweise.

Der Verband ist deshalb überzeugt, dass als Beitrag zur Pressevielfalt in der Schweiz das Entstehen neuer Modelle gefördert werden müsse - "insbesondere durch eine Direkthilfe des Staates". Sie soll das Realisieren journalistischer Projekte begünstigen und so eine echte Medienvielfalt gewährleisten. Die direkte Hilfe soll den unabhängigen und ethisch korrekten Journalismus fördern.

EIN TABUBRUCH

Impressum hatte bereits im März in einer Resolution von den Behörden eine direkte Medienförderung gefordert und damit nach eigenen Angaben ein Tabu gebrochen.

Der Verband verlangte damals von der Politik, dass sie angesichts der schwierigen finanziellen Lage der Medien ihre Verantwortung wahrnehme. Impressum stellte sich auf den Standpunkt, dass eine Medienförderung, die auf klaren formellen Voraussetzungen beruht, kein Problem darstellen sollte.

BUNDESRAT NICHT ABGENEIGT

Der Bundesrat kann sich durchaus vorstellen, Online-Medien sowie die Schweizerische Depeschenagentur (sda) künftig direkt zu fördern, wie er Mitte März nach der Schliessung des französischsprachigen Wochenmagazins "L'Hébdo" und den zahlreichen Entlassungen bei der Zeitung "Le Temps" festhielt.

Allfällige unterstützende Massnahmen müssten jedoch wettbewerbsneutral für die Branche erfolgen und dürften nicht auf die Rettung einzelner Titel abzielen, schrieb die Regierung. Derzeit ist eine direkte Unterstützung von Printmedien rechtlich nicht möglich.

mk

(AWP)