Interview BFE-Direktor: Dynamik zwischen Stromproduktion und -verbrauch im Fokus

Die Energielandschaft in der Schweiz dürfte in Zukunft völlig anders aussehen: "Die künftige Energieversorgung wird nicht nur aus der Erzeugung bestehen, sondern aus der Dynamik zwischen Erzeugung und Verbrauch", sagte der Direktor des Bundesamts für Energie (BFE), Benoît Revaz, im Interview mit AWP.
06.02.2017 09:10

Deshalb sei auch eine buchhalterische Gegenüberstellung der heutigen Stromproduktion aus Kernkraftwerken mit dem Potential von Erneuerbaren - wie es Gegner des ersten Massnahmenpaket der Energiestrategie 2050 oft als Argument anbringen - nicht entscheidend, so Revaz auf die Frage, ob denn der Wegfall der Atomkraft mit Erneuerbaren sowie mehr Energieeffizienz und weniger Verbrauch ersetzt werden kann. "Wenn man annimmt, dass plakativ Strom aus Atomkraftwerken mit Strom aus Solar ersetzt werden soll - da macht man einen Denkfehler."

Das neue System müsse aus einem intelligenten Zusammenspiel von zentraler und dezentraler Produktion aus verschiedenen Quellen mit Transport- und Verteilinfrastruktur und Speicherkapazitäten bestehen. Auch der Eigenverbrauch habe dabei ein Riesenpotential.

Ohnehin sei das erste Massnahmenpaket lediglich ein erster Schritt in die Energiezukunft, um das ganze einzuleiten, sagte Revaz. Am 21. Mai 2017 wird über die erste Etappe der Energiestrategie, die im September 2016 vom Parlament verabschiedet wurde, vom Volk abgestimmt.

Die schweizerische Energiestrategie insgesamt sehe auch vor, bei der Stromproduktion nicht allzu abhängig von Importen zu sein. Auch wenn diese Variante womöglich günstiger wäre, "dass die Kilowattstunde dann effektiv zur Verfügung steht, ist nicht zuletzt auch abhängig von der Nähe zwischen Erzeugung und Verbrauch", so Revaz. Viele hiesige Produzenten würden im Ausland investieren, aber ohne ausreichend Transportkapazitäten gehe diese Strategie nicht auf.

Ausserdem spricht der Direktor des Bundesamts mit AWP über die zunehmend unter Druck geratene Energiebranche und was es braucht, um neue Anreize für die Unternehmen schaffen, Anlagen zu erneuern und weiterzuentwickeln.

(Das vollständige Interview ist auf dem Premium-Dienst von AWP zu lesen)

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(AWP)